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Tag am Meer

Samstag 3. Oktober 2014

Sieben Uhr morgens: Der Wecker nervt. Ich brauche einen grummeligen Augenblick, bis mir klar wird, dass heute ein großartiger Tag wird, auf den ich mich freuen darf. Dann setze ich Kaffeewasser auf. Fahrig öffne ich den Niedergang, krame die Bodumkanne vom Cockpittisch, kippe den Kaffeesatz ins Hafenbecken, fülle frische vier Teelöffel Kaffeepulver ein. Dann drehe ich die Kippe dazu. Der Wasserkocher klickt.

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Es ist diesig und windstill. An der Kranpier liegt „Tag am Meer“. Die sind heute als Erste dran. Aktivität an Bord, letzte Handgriffe wollen getätigt sein. Nach meinem kleinen französischen Frühstück begebe ich mich zum Hafenklo. Auf dem Rückweg leite ich ein Gespräch ein mit dem naheliegenden Spruch: „Na - ist wohl vorerst der letzte Tag am Meer, ne?“ Wir unterhalten uns darüber, dass es eine tolle Saison war und man aufhören soll, wenn es am schönsten ist. Oder, was mich betrifft, noch lange drei Wochen nicht.

Dann springe ich ins Auto und brause nach Schleswig. Das lange Wochenende ist gut gebucht, und ich befinde mich in Topform. Die drei Chartercrews könnten unterschiedlicher kaum sein: Ein junges Pärchen, eine Familie mit zwei entzückenden kleinen Kindern, ein Ehepaar mit druckfrischen Sportbootführerscheinen - die haben eine Einweisung mit Probeschlag gebucht. Als die Letzten ablegen, fahre ich im Gefühl, alle seien gut vorbereitet auf ihren Wochenendtörn, zurück nach Arnis.

Dort legt „Blaubär“ gerade ab zum Mastlegen. Schade, meine kleine Freundin Franzi ist nicht dabei, aber ihre Eltern sind sich sicher, sie hätten von ihr grüßen sollen, wenn sie gewusst hätten, dass sie mich treffen. Ich verspreche beim Mastlegen zu helfen. Zuvor muss ich mich erstmal einiger warmer Sachen entledigen - es mag zwar Oktober sein, aber es ist deutlich über zwanzig Grad, die Sonne knallt, und der Wind lädt ein zum Segeln. Aber auch zu einem intensiven Hafentag. Ein Tag am Meer eben.

Ein Abstecher zum Hafenmeisterbüro offenbart den Ernst der Lage: „Blaubär“ ist als nächste dran, jetzt aber schnell! Der Mastenkran ist besetzt, die Schiffe, die nach „Blaubär“ zum Kran sollen, sind auch noch nicht klar. Ich renne also durch den Hafen, informiere Crews, erstatte dem Hafenmeister Bericht. Zu guter Letzt ist der Kran doch durchgängig in Betrieb, jedes Schiff landet, wo es hin soll, und der Käptn posiert für ein paar letzte Fotos.

Es läuft sogar völlig reibungslos, leider allzu wörtlich, als jemand seinen Mast beinahe ins Hafenbecken rauschen lässt - Festhalten ist eben das Gegenteil von Loslassen, aber das scheint noch nicht jeder gelernt zu haben. Achim reagiert glänzend, als der Mast in die Höhe saust, fiert ihn zügig ab, so dass man ihn wieder zu fassen bekommt, und dank seiner ist am Ende niemand verletzt und kein Material beschädigt. Dafür gibt es ein Gesprächsthema: „Hast du das gesehen...?“ 

Stephan von der Bootswerft Grödersby sticht mit „Agena“ in See - die Segel müssen trocken. Noch einmal überlege ich, ob Paula nicht auch noch eine Runde segeln sollte, entscheide mich aber dagegen. Der Wind ist zu schwach, um wirklich Endorphine freizusetzen. Statt dessen ergibt sich hier und da und dort noch ein Klönschnack. Das Wetter ist so frühlingshaft, dass mir alles verkehrt vorkommt: Die sind emsig dabei, ihre Winterplanen über die Boote zu werfen, anstatt die letzten Vorbereitungen für die nahende Saison zu treffen.

Als ich schon gar nicht mehr damit rechne, dass meine Boote die neunzehn Meilen von Schleswig hierher schaffen, laufe ich vorm Klo „Marthas“ Crew über den Weg. Das ist die Familie, und alle scheinen begeistert: „Vielen Dank für...das schöne Boot“ lautet der Tenor. Unterdessen kommt Stephan zurück. Segel trocken, Einladung zum Bier. Das ist auch mal nicht schlecht: Stephan ist durchaus entspannt und meistens gut gelaunt, aber während unserer Gespräche im Hafen bleibt er doch meistens in Bewegung, so dass die letzten der fünf Sätze, die wir wechseln, über größere Entfernung gebrüllt werden müssen. Heute sitzen wir gemütlich in „Agenas“ Cockpit und fachsimpeln in der beginnenden Dämmerung.

Da kommt noch ein Boot in den Hafen, „ein Verkehr ist das hier!“, eindeutig Folkebootrigg, die Topplaterne kenne ich gut: Das ist meine „Salty.“ Leinen annehmen tut die „Martha“-Crew, ich werde zum nächsten Bier eingeladen. Gegen neun trifft dann endlich auch Björn in Begleitung seines Bruders ein. Die beiden sollen „Jane“ winterklar machen. Zuvor serviert Paula erstmal Pasta, lange noch sitzen wir im Cockpit. Es ist ein wenig feucht und der Wind brist auf, aber es will einfach nicht herbstlich-kalt werden. Erst weit nach Mitternacht endet ein aufregender Tag am Meer...