Winterarbeit 2012-3 nicolas thon: fotografie -schreiben - segeln
Paula
Salty
Martha
Frieda Oliese



Winterarbeit

Ein Holzboot zu besitzen, bedeutet: Man hat zwei Leidenschaften, nicht nur eine, oder es hat keinen Sinn.

2008-12
2012-13
2013-14
2014-15
 





2008-12 - Lernen und Experimentieren

Unerfahren mit Segelei und Bootsbau, musste ich Paula erstmal gründlich kennenlernen, unschöne Überraschungen inklusive. In "Paulas Bordkochbuch" ist nachzulesen, in welche Panik ich geriet, als ich erstmals das viele Wasser in der Bilge sah. Schnell stellte sich heraus: Je mehr Lage, desto mehr Wasser. Und ganz schlimm wurde es, wenn die Scheuerleiste eintauchte. Ich kann das übrigens nur empfehlen, ein frisch erworbenes Boot erstmal ausgiebig zu segeln und erst dann zu entscheiden, was als Erstes instandzusetzen ist.

Im Herbst nach der ersten Saison nahm ich also besagte Scheuerleiste ab. Und so fand ich heraus, warum zwischen oberer Planke und Deck so viel Wasser eindrang: Die Verbindung war auf beiden Seiten auf der gesamten Länge undicht. Das wurde dann provisorisch mit Epoxi verspachtelt, hier und da in allzu große Löcher ein Stückchen Holz eingesetzt, und das Debakel hinter einem krude zurechtgeschnibbelten Streifen Glasfaser verborgen. Es verschwindet ja ohnehin unter der Scheuerleiste. Das Provisorium hat sich gar nicht schlecht bewährt, inzwischen habe ich es durch Ausleisten ein wenig verfeinert und denke, dass es jetzt dauerhaft hält. Die Alternative, es perfekt zu machen, eine neue Planke einzusetzen und womöglich noch das Sperrholz zu erneuern, hat bei anderen Booten schon dazu geführt, dass auf halbem Wege das Budget an Zeit und Geld aufgebraucht war, so dass das Boot nun in der Halle herumsteht - dann lieber ein gesundes Provisorium.

Die unscheinbare Leckage an der dusseligen ins Deck eingelassen Aufnahme für den Flaggenstock sorgte für ein wesentlich ärgerlicheres, weil vermeidbares, Desaster. Da war neben zwei Quadratmetern Sperrholz auch gleich noch ein neues Eichenknie fällig. Sowas ließ ich damals noch vom Tischler anfertigen.

Bis 2012 überwinterte Paula auf dem Bauernhof, draußen unter einer Plane, zeitweise auch in der Halle oder im Folientunnel. So ein Winterlager ist kostengünstig, aber sehr witterungsabhängig. Ich kann mich an Wochenenden erinnern, an denen so gut wie gar nichts voranging und ich nur die Unterkonstruktion der Plane vor dem Druck des Schneematsches rettete. In einem Jahr gerieten wir in die warme Schönwetterperiode des April, im Folientunnel war es staubtrocken bei 50°C, und ich fuhr das Boot nach draußen, so schnell es ging. Da flog mir dann allerdings der Staub auf den frischen Lack.

Fernab jeglicher bootsbauerischer Beratung bastelte ich bisweilen an Paula herum, anstatt ordentliche Arbeit zu leisten. Wir haben trotzdem Einiges geschafft:

- neue Backskisten, groß und mit Unterteilung, damit nicht alles ständig durcheinander fällt. Manko: Für Mahagoni-Vollholz fehlte mir eine Bezugsquelle, also sind sie aus Sperrholz, und die Formgebung ist entsprechend schlicht. Aber ansonsten sind sie großartig!

- diverse Ausbesserungen am Decksbelag

- Experimente mit Farben und Lacken (Le Tonkinois...davon lasse ich inzwischen die Finger)

- Experimente mit der Optik: Paulas Rumpf war dunkelblau, dann bonbonblau, viel zu bunt für meine Augen. Mit dem jetzigen Grau bin ich immer noch zufrieden.

- Einbau der Mesingfenster. Ob ich das schon bereuhe? Seinerzeit musste das blind gewordene Plexiglas ohnehin neu, und zwecks besserer Durcklüftung wünschte ich mir Fenster, die man öffnen kann. Dass die die Silhouette so sehr verändern würden, hatte ich nicht erwartet. Ist überhaupt nicht "ogginal", aber immerhin ist Paula jetzt einzigartig und besonders. Ich muss aber gestehen, dass ich die Fensterchen nur sehr selten tatsächlich öffne.

- diverse Spanten geschäftet

- Reparatur des Ruderblattes. Das war bereits aus Sperrholz, als Paula zu mir kam, und davon löste sich stellenweise die Außenlage. Als ich das sah, ging ich zunächst Schraubzwingen kaufen.

Ich habe auch mal aufs Schiebeluk, von dessen Sperrholz die Außenlage weggeschliffen war, eine Schicht Leimholz Fichte aus dem Baumarkt auflaminiert. Das sah nicht nur zum Weglaufen aus, sondern konnte auch nicht lange halten. Der Leim ist für Innenräume konzipiert, nicht für die Bedingungen an Bord.


2012/13 - Umzug in die Bootswerft
Paula hat ein neues Winterquartier: Die Bootswerft Grödersby von Stephan Ernst-Schneider. Eigentlich war eine ganz große Aktion vorgesehen: Der Kiel sollte ab, sämtliche Stahlbolzen durch Niro ersetzt werden. Ich konnte mir das viele rostige Wasser in der Bilge nur so erklären, dass hier etwas im Argen lag. Bei der Besprechung des Auftrags machte Niels, der Bootsbaumeister, ein langes Gesicht: "Du hast ja schon neue Kielbolzen." Das sparte mir einige tausend Euro, aber eine Frage war noch nicht beantwortet: Warum macht Paula so viel Wasser?


Wir fanden schließlich einen Bereich am Vorsteven, der einer Reparatur bedurfte. Die Bolzen dort fehlten entweder ganz, waren nur ein kurzes Stück eingeschraubt, oder sie waren komplett verrostet. Ich gab auch gleich einen neuen Spant in Auftrag, wo der alte gebrochen war. Zumindest ein wenig sollte die Werft ja verdienen. Die Dichtigkeit des Rumpfes ließ sich durch diese Arbeiten zwar nicht verbessern, immerhin aber seine Stabilität.



Außerdem fertigte eine befreundete Bootsbauerin zwei neue Bodenwrangen an. Die alten hatten wohl von den alten Kielbolzen einen mitbekommen, die beim Rosten und Aufblühen die sie umgebenden Wrangen geradezu gesprengt haben müssen. Wir leimten sie aus zwei Hälften zusammen, um die Löcher für die Kielbolzen nicht bohren zu müssen, sondern gezielt zu fräsen. Das Einpassen war trotz aufwändig erstellter Schablonen eine Geduldsprobe, aber die Mühe hat sich gelohnt.










Unterdessen widmete ich mich kleineren Verschönerungen von zweifelhaftem Wert. Immerhin, die Bilge zu lackieren war eine gelungene Aktion.







2013/14 - so langsam wird das was...

Dies war, nebenbei bemerkt, das Jahr der Wiederherstellung des Schiebeluks in Mahagoni ohne Fichtenüberzug. Und Paula bekam eine neue Mastspur. Urpsrünglich stand der Mast auf dem Kielschwein im Übergang zum Steven - die auftretenden Kräfte werden so sehr ungünstig auf den Rumpf übertragen, weil sie ständig an den Kielnähten hebeln. Dieses Problem verschärfte sich dann noch nach dem Mastbruch: Der neue Mast war ein Stück kürzer, was wir seinerzeit durch einen Sockel ausglichen - der natürlich als zusätzlicher Hebelarm wirkte. Ergebnis: Viel Wasser in der Bilge bei Schräglage, nach einem pustigen Tag hält das wochenlang an, und so richtig dicht werden die Nähte danach nicht wieder.

Die neue Konstruktion orientiert sich an der Mastspur, wie sie die Lind-Werft zumindest in späteren Jahren gebaut hat: Der Mast steht auf einem Eichenbrett, das auf den Bodenwrangen vor und hinter dem Mast aufliegt und mit den Kielbolzen verschraubt ist. Das ist solide und sorgt dafür, dass die Kräfte gut über den Rumpf verteilt werden. Dafür muss man natürlich dafür sorgen, dass die betreffenden Bodenwrangen in etwa gleich hoch sind. Das waren Paulas nicht, ich musste also den Höhenunterschied ausgleichen und außerdem die Kielbolzen mit Hilfe selbst geschweißter Muffen verlängern. Entstanden ist ein Riesenkasten - der während der Saison nebenbei als Schuhregal dient. Ergebnis: Der Rumpf ist zwar nicht wasserdicht, aber es ist ein himmelweiter Unterschied zu vorher. Vielleicht sollte ich nun noch einmal die bisher gnadenlos durchgewalkten Kielnähte erneuern.

Noch mehr Leckagebeseitigung: Die Ecken vorne am Aufbau, ein neuralgischer Punkt. Das Kajütdach hielt nicht mehr am Süll, das ist aber leicht zu beheben: Leisten ab. Durch Abklopfen mit der Fingerkuppe findet man die Stellen, wo das GFK sich abgelöst hat. Ein kleines Loch bohren, mit der Spritze Epoxi rein, bis es anderswo wieder rausquillt. Vorgang wiederholen, bis man einigermaßen sicher ist, dass alle Stellen gefunden sind. Leider gingen die Halbrundleisten nicht zerstörungsfrei ab und mussten neu. In der Karnevalszeit verkleidete Paula sich kurzerhand als gespickter Rehrücken.

Dies war relativ schnell zu bewältigen. Doch inzwischen hatte ich ja noch einige Folkeboote mehr - und Oliese lieferte ihren eigenen Beitrag zum Thema "Leckagen und ihre Beseitigung." Bodenwrangen hatte ich ja schon geübt. In Sachen Kajütdach und Laufdeck fühle ich mich im Nachhinein schlecht beraten. Ich hätte ihr Sperrholz aufs Dach schrauben und zwei Lagen dünnerer Glasfaser daraufkleben sollen, das wäre für den Anfang wesentlich leichter von der Hand gegangen. Statt dessen ließ ich mich von der Profi-Variante überzeugen: Leisten aufs Dach, darauf Ölpapier, damit der Decksbelag sich nicht mit den Leisten verbindet, die ja noch arbeiten werden. Darauf eine Lage unfassbar dicker Glasfasermatte, die dann auch prompt wesentlich mehr Epoxi aufnahm, als der Lieferant mir gesagt hatte. So war das Ganze dann teuer und mit all den Nachbesserungen extrem aufwändig. Das Ergebnis ist hier ein bisschen wellig, da gewaltig uneben - allerdings ist das in der folgenden Saison niemandem so recht aufgefallen. Und: Oliese ist dicht! Schlimm genug, dass sie das nicht von vornherein war, bei einem Chartertörn darf es auf keinen Fall einregnen, aber ich darf auf jeden Fall sagen, schnellstmöglich und umfassend Abhilfe geschaffen zu haben. Und es war durchaus lustig, sie zwischendurch als Cabrio zu sehen. Zum Karneval ließ sich sie in diesem Outfit aber nicht, dazu war keine Zeit.

Fortsetzung: Winterarbeit 2014/15