Folkeboote im Winterlager nicolas thon: fotografie -schreiben - segeln
Paula
Salty
Martha
Frieda Oliese



Winterarbeit 2016-17

Mitte Oktober: Wir verabschieden uns aus dem nasskalten Hafen und begeben uns ins Winterlager - Oliese und Frieda mit nagelneuen elektrischen Bilgepumpen. Eine intensive Saison hat Spuren hinterlassen, und wie immer gilt es ja auch das eine oder andere größere Projekt anzugehen. Die Hauptrolle wird diesmal Frieda spielen. Natürlich reisten wir nicht ab, ohne uns - den Kran schon in Sichtweite - zu unserer Saison-Abschlussbesprechung zusammenzufinden. Frieda lag etwas abseits und war morgens als Erste dran.

 




In vierzehn Tagen fünf Boote anschleifen, abkleben, säubern und mit zwei halbwegs gelungenen Schichten Klarlack zu versehen, ist möglich - aber eine anstrengende und mühsame Tätigkeit. Wie jedes Jahr im Februar. Das Wetter war nicht unbedingt hilfreich, mal zu kalt, mal zu feucht, aber es ging Tag für Tag voran. Zehn Stunden volle Konzentration und genaues Gucken, ob ich bei widrigen Lichtverhältnissen nicht womöglich doch den einen oder anderen Fehler mache - ich bin froh, dass das geschafft ist. Wie immer ist es nicht überall perfekt geworden, aber zumindest tragen die Heckspiegel diese Bezeichnung zu Recht, und wir sind ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Da spiegelt sich auch schon der Trecker, der Martha und ihre Schwestern Anfang April endlich zurück in den Hafen zog.

Winterarbeit früherer Jahre

Paula 

Ein zerbröseltes Flurbrett aus Sperrholz (immerhin hat es die Saison durchgehalten, ohne dass ich in die Bilge fiel). Weitere Lackierarbeiten unter Deck. Abdichten der Kielnähte, wo irgendwo ein Schluck Wasser durchsickert. So hatte ich mir das vorgestellt. Mal eben ein neues Flurbrett aus Teak-Vollholz zu bauen, bedeutete ein erstes Problem: Der Preis für Teak hat sich in den letzten zwei Jahren beinahe verdoppelt, meine Wunschliste beim Holzhändler sprengte das Budget. Zuhause fand sich ein ausrangierter Cockpittisch, der einmal Frieda gehörte - feinstes Sperrholz mit Teak-Außenlage. Von der Form her als Cockpittisch nicht zu gebrauchen (trapezförmig mit der breiten Seite am Niedergang), gab das Teil ein wunderbares Flurbrett her.

Dann der Test: Das neue Brett passte. Aber es wackelte. Was daran lag, dass die geteilte Auflage am Hauptschott abgesackt war - die Schrauben hielten nicht mehr, Folge einer zu simpel gedachten Ausbesserung vor einigen Jahren, bei der ich nur ein Stück erneuerte, anstatt das ganze Holz neu anzufertigen. Ich war wohl zu faul, die zweite Backskiste auszubauen. Das tat ich jetzt, denn außer als Flurbrettauflage zu dienen, hält dieses Brett auch das gesamte Hauptschott zusammen. Dem massiven Balken stellte ich noch Mahagonileisten zur Seite, die nicht nur dem Schott zusätzlich Stablität geben, sondern auch gleich ein paar unansehnliche Stellen mit durchgeschliffener Außenlage verdecken.


Salty

Der Plan: Salty bekommt - hurra! - ein Echolot. Es liegt schon bereit, kein Rückzieher mehr möglich. Dummerweise habe ich vergessen, gleich das Anbauschiffchen mitzubestellen, und als ich es telefonisch tat, bekam ich einen Einbausatz, mit dessen Hilfe bei GFK-Booten der Rumpfdurchbruch vermieden werden kann. Nun harren wir der Dinge und fürchten den Mindermengenzuschlag. Das Schiffchen ist immer noch nicht da, Salty aber schon wieder im Wasser. Das Echolot wird also den Sommer allein an Land verbringen. 

Wohnlichkeit unter Deck: Neuer Lack für den Dachhimmel, die Decksbalken klar, dazwischen weiß = hell und freundlich.

Zunächst war das Vorluk dran. Mit heißer Nadel während der Saison gestrickt, konnte der Deckel nicht so bleiben - er war weder wasserdicht noch trittfest. Das Luk war im Grunde fehlkonstruiert: Das Konzept entspricht einer Kiste von quadratischem Querschnitt, auf die ein Deckel gestülpt wird. Der Deckel hängt nun aber an Scharnieren, und wenn man ihn zum Öffnen klappt, anstatt ihn senkrecht nach oben abzuziehen, hat man die Wahl: Entweder klemmt und scheuert es, oder der Deckel hat ringsum so viel Spiel, dass er nicht dicht abschließt. Die Scharniere waren direkt aufs Laufdeck geschraubt - eine eher unübliche Methode mit erheblichen Nachteilen (Löcher im Deck, Hebelwirkung, wenn das Luk über die Senkrechte hinaus zu öffnen versucht wurde). Leider war das Luk bisher komplett aus Teak - aus Kostengründen wird nun Mahagoni verwendet.

Ich habe lange überlegt, wie viel vom alten Luk erhalten bleibt und wie weit ich, der vorigen Erfahrung mit Frieda folgend, komplett neu baue. Die Wahl fiel darauf, das alte Lukensüll aus Teak und damit die quadratische Form zu belassen, einen äußeren Rahmen aufzudoppeln und am oberen Teil eine Fase anzuhobeln, so dass der neue Deckel sich dicht ans Süll anschmiegt, sich beim Öffnen aber sofort allseitig davon entfernt. Der übliche Vorbau fällt etwas kürzer aus als gewöhnlich, gerade groß genug, um die Scharniere und eine Grabenleiste aufzunehmen. Ist doch ganz hübsch geworden - findet zumindest Salty.

Der eine oder andere Plankenstoß sollte eigentlich auch noch abgedichtet werden (inklusive neuer Brettlaschen auf der Innenseite). Manche Charterer berichteten von Wasser an dieser oder jener solchen Stelle - leider ergab sich kein eindeutiges Bild, und nun kann es sein, dass ich alle Stöße bearbeiten werde, das Ganze aber auf später verschiebe. 

Vorher beschäftigte ich mich aber zwischendurch mal - während Friedas Deck und Marthas Unterwasserschiff mich auf Trab hielten - mit Kleinigkeiten. Wobei das Wort Kleinigkeit definiert ist mit unscheinbaren Dingen, die grundsätzlich aufwändiger sind als gedacht. Zum Beispiel die Winschen: Als ich im Herbst selbst mal wieder mit Salty segelte, wunderte ich mich weniger über den unglaublichen Sound - rrrrrradong! - als über die Tatsache, dass sich noch nie ein Charterer darüber beschwert hat. Fetten war also dringend. Nun hat Salty - wie Oliese und Frieda - diese auf den ersten Blick supercleveren Winschen mit einer Achse durchs Deck und einer festen Kurbel unter der Schlinge. Auf den zweiten Blick ist diese Konstruktion unnötig, weil ein Folkeboot keine Winschkurble braucht. Und auf den dritten Blick ist die Konstruktion ein Problem - zumal, wenn Winsch und Achse nicht regelmäßig gefettet wurden. Unter der Kurbel hat die Achse ein Gewinde mit Zollmaß, darauf sitzt eine Bronzemutter, die das Ganze sichert. Um die Winschen auszubauen, musste ich sie erwartungsgemäß von unten mit wuchtigen Hammerschlägen austreiben. An Bb gelang es, das Gewinde zu schonen, so dass die Mutter beim Einbau wieder fasste. An StB: Keine Chance. Da man das alles nicht einfach so neu kaufen kann, gab es nur eine vage Chance, und das Manöver ist auch gelungen: Neues Gewinde M14 auf die Achse schneiden, passende Mutter aus dem Regal nehmen, zusammenbauen. Die Winschen schnurren jetzt wie junge Kätzchen.

So ähnlich lief es auch mit der neuen Membran für die Handlenzpumpe - eigentlich ganz einfach, aber dann dauerte es doch eine Stunde, bis ich mit all den in die Bilge fallenden Sprengringen und stramm sitzenden Teilen fertig war. Schließlich war es die Ruderbank, die keineswegs mal eben auseinandergebaut, aufgearbeitet und neu zusammengesetzt war, sondern tagelangen Aufwand bedeutete. Dafür sind die delaminierten Stäbe aber zum Schluss endlich wieder fest verbunden und frisch lackiert.
 

Oliese


Bei Oli gilt es vorwiegend, während der Saison entstandene Schäden auszubessern. Im Cockpit hat eine Wegerung unter dem Gewicht und der Kraft eines Charterers nachgegeben. In den Backskistendeckeln haben offenbar Steinchen in den Schuhsohlen tiefe Spuren hinterlassen, die sich nicht einfach herausschleifen lassen. Es gibt also neue Deckel, alle neunundvierzig Jahre darf man das machen.

In der Vorpiek auf der Steuerbordseite (wo keine Koje ist) kommt eine Wegerung hin - hier ist der ideale Platz fürs Gepäck, doch bei hartem Segeln oder starkem Regen kommt vom Steven oder aus dem Cockpit immer mal ein Schluck Wasser die Landungen entlanggelaufen. Da stört der ja nicht, aber das Gepäck darf gerne davor geschützt sein. Bei der Gelegenheit habe ich mich auch den schwarzen Stellen an den Planken gewidmet (rechts im Vordergrund gut zu erkennen): Hier hatte ein extrem schlauer Vorbesitzer es für gut befunden, das Holz von innen mit G4 zu behandeln. Das sollte wohl in die Landungen laufen und für Dichtigkeit sorgen, wo gar keine Leckage war. Die Dampfsperre hat vor allem bewirkt, dass alle Feuchtigkeit im Holz eingesperrt war. Beim Abziehen atmete es spürbar auf, und nun wird es offenporig behandelt mit Imp. Ein bisschen ärgerlich ist diese mehrtägige Arbeit schon - nichts zu unternehmen, wäre damals besser gewesen.


Frieda

Frieda ist also unser diesjähriges Großprojekt. Womöglich wird danach zum ersten Mal der Eindruck entstehen, dass Boot habe an Schönheit eingebüßt - es geht nämlich um das Teakdeck. Das war nicht zu retten. Ein neues Teakdeck wäre unverhältnismäßig teuer. Und gar nicht original, ursprüngliche hatte sie wie alle Folkeboote ein lackiertes Deck. Also gibt es GFK. Damit geht zweifellos ein echter Hingucker verloren - als Ausgleichsmaßnahme wird das hässliche Vorluk (Alurahmen mit Plexiglas) durch ein klassisches Holzvorluk ersetzt. 

Tag 1: Scheuerleisten ab (ging leicht), Fußrelings ab (furchtbares Gepuzzel), Leibholz an StB teilweise ab. Fazit: Weitermachen! Tag 2: Abnehmen sämtlicher Beschläge. Tag 3: Das Teak ist weg, die Glasfasermatte darunter leistet wenig Widerstand - das Sperrholz ist freigelegt. Und zeigt, dass es höchste Zeit war, diese Aktion genau so anzugehen. Zerstört ist das Sperrholz aber nur an weniger Stellen, ansonsten muss es einfach nur ein paar Tage trocknen. Währenddessen werden noch Kleber/Fugendichtmasse entfernt, dann ist das Abreißen erledigt und der neue Decksbelag kann kommen.

Woche 3: Geschätzte tausend Löcher (von den Schrauben, mit denen die Teakstäbe befestigt waren) sind verspachtelt, die Verbindung zwischen Sperrholz und Aufbausüll ist ausgefräst und verfüllt. Und der Müll ist entsorgt. Noch eine Runde schleifen und saubermachen, dann kann neue Matte rauf. Sie liegt schon unter Deck. Ah, vielleicht vorher noch in passende Stücke schneiden und aufwickeln...  Martha, die neben Frieda steht, assistiert mir, indem sie die Rolle hält.


Woche 4: Das laminierte Deck einmal gründlich durchschleifen. Fazit: Ist wirklich nicht schlecht geworden, muss aber noch einmal gespachtelt werden. Das war beim verwendeten Gewebe (Biax 450 g/m²) absehbar, die Struktur kommt sonst zu sehr durch. Und ganz ohne Lufteinschlüsse habe ich es dann doch nicht hinbekommen.





Meine Abmachung mit Frieda, im letzten Winter schon getroffen, beinhaltete ein neues Vorluk als Ausgleichsmaßnahme. Vor dem Laminieren sägte ich das Loch, es gab also kein Zurück. Und es macht ja auch Laune, mal mit neuem, frischem Holz zu arbeiten, anstatt immer nur alte Teile aufzuarbeiten. Das Luk entstand, einer groben Idee nach Olieses Vorbild folgend, Schritt für Schritt.

Und es wuchs und gedieh: Innerer Rahmen. Äußerer Rahmen. Grabenleiste. Front. Deckel. Einpassen des Skylights. Dann aber erstmal: Kante zur Außenheit überlaminieren (mit diesem tollen gekettelten Glasfaserstreifen, da kommen später Scheuerleisten und Fußreling über), Deck spachteln und gründlich schleifen, damit dieser Teil endlich erledigt und lackierbereit ist.





Damit ist es aber nicht genug:

Wie schon Marthas und Olieses, so verlangte nun auch Friedas Ruderblatt nach Pflege.

Der Verschluss der Schapp-/Niedergangstür versagte auf der Schwedenreise ihren Dienst, das Magnetgedöns musste ich provisorisch durch einen PVC-Vorreiber ersetzen, und der wird nun abgelöst von einem aus Messing - Tür und Schapp mussten entsprechend angepasst werden.

Und dann war da ja noch die Kompassablenkung von kursabhängig bis zu 40 Grad. Die Ursache - rostige Eisennägel im Kajütdach - fand ich eher durch Zufall. Konsequenz waren ein neuer Decksbalken und  ein zweieinhalb Zentimeter breiter Spalt im Dach, der geschlossen werden musste. Was in unter vier Stunden, unterbrochen vom Aushärten des Epoxi, zu erledigen ist, gilt bei uns als Kleinigkeit.

Deck schleifen, spachteln, schleifen. Vorluk weiter bauen. Zwischendurch auch mal die Baustelle aufräumen und nach den anderen Booten sehen. Feiertage gab es auch, das neue Jahr wollte begrüßt werden. Das Daumenkino ist jedenfalls komplett (bis auf den Lack). So richtig gelungen sieht das Luk natürlich erst aus, wenn alles lackiert ist - vor allem das momentan scheckige Laufdeck. Das Graue ist Epoxispachtel in den Vertiefungen, beim Schleifen ergibt sich mitunter ein solches Bild.

Frieda und ich sind jedenfalls mit dem Ergebnis meiner Mühen ziemlich zufrieden. Wenn es jetzt noch wasserdicht ist, ist die Ausgeleichsmaßnahme für den Verlust des Teakdecks allemal gelungen. Spaß gemacht hat es auch, und es war eine gute Vorübung, weil ich ja an Salty in gleicher Mission auch noch Hand anlegen musste. Nächstes Jahr möchte ich aber kein Vorluk bauen. Da bekommt Frieda dann eher ein schöneres Schiebeluk...























Martha


Martha hat ja letzten Winter auf umfangreichen Maßnahmen bestanden - dieses Jahr hoffte ich sehr auf Zurückhaltung. Vorgesehen war, das bereits begonnende Projekt Bodenwrangen / Eisennägel möglichst weit voranzutreiben, vielleicht auch das Unterwasserschiff abzuziehen und den Anstrich neu aufzubauen. Er ist mit den Jahren doch ziemlich uneben geworden.

Was auf jeden Fall anstand, waren neue Backskistendeckel statt der völlig verzogenen alten, die mit ihrer sanften Rundung permanent die Schwalbennester loshebeln. Und die Neugestaltung der Pantry wollte ich auch fortsetzen. Vielleicht an Weihnachten. 

In ihrer charmanten, aber dennoch nachdrücklichen Art mischte sich Martha aber schon beim Kranen in die Prioritätenliste ein: Ihre dicken Backen an der Kielplanke wären mir nicht aufgefallen, ich kenne das Boot ja nicht anders, aber der Bootsbauer machte mich gleich auf das Problem aufmerksam: Die Planke war im hinteren Bereich lose.

Wenn alles richtig ist, liegt die Planke eng an der Falz des Holzkiels an. Mit ihm verbunden ist sie durch Nägel oder - wie in Marthas Fall - Bronzeschrauben.





Im Laufe der Zeit gaben diese auf, und es entstand ein Hohlraum zwischen Kiel und Planke - der sich nach und nach mit Dreck füllte. Erkennbar ist dieses Phänomen eben daran, dass die Planke nach außen übersteht.

Es war jetzt also keine Option, einfach nur neue Schrauben zu setzen, zumal sich natürlich herausstellte, dass bereits jemand die entstandene Leckage provisorisch behoben hatte: Von unten war reichlich Baumwollfaden in die Öffnung geprügelt worden (wodurch der Spalt sich nur vergrößert), von oben hatte jemand Epoxi in die Ritze gekippt, das sich natürlich mit dem nassen Holz nicht verband, sondern lediglich meine Arbeit schwerer machte.

Der Mulitmaster (stumpfes Metallsägeblatt!) half von oben den Spalt zu öffnen und von unten den Baumwollfaden zu entfernen. Der ganze Dreck arbeitete sich durch Stochern mit einem Sägeblatt nach unten, wo ich ihn, nachdem ich die Planke ausreichend weit abgehebelt hatte, nach und nach absaugen konnte. Alle Versuche, den Dreck nach oben loszuwerden, schlugen fehl; alle Versuche, vorzeitig die Planke einfach mit den Schrauben an den Kiel zu ziehen, ebenso. Als ich das erste Mal in der Bilge das Licht der Lampe sah, die unter dem Boot stand, wusste ich: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Wenige Stunden später hatte Martha keine dicken Backen mehr. Und war so weit zufrieden mit der Operation und ihrem Ergebnis. Es mussten nur noch die Kielnaht kalfatet und die Schrauben, alt und neu, verspachtelt werden.




Wenden wir uns also der Stahlnagel-Problematik zu. In den sechziger Jahren war es noch üblich, die Außenhaut mit den Bodenwrangen zu vernageln. Die Gerbsäure der Eiche löst dann einen Prozess aus, der sowohl Holz als auch Metall im Laufe der Zeit zertört - mit dem unangenehmen Nebeneffekt, dass die Bodenwrangen, lange bevor sie vergammeln, keinen richtigen Halt mehr haben. Es müssen also neue Schrauben rein, und vor allem muss das Eisen aus dem Boot. Ersetzt man eine komplette Wrange, kann man die Reste der Nägel einfach von innen austreiben. Bleiben die Wrangen sitzen, muss man die Nägel ausbohren. Kernbohrer gibt es zu kaufen. Für viiiiiiel Geld. Und man braucht definitiv mehr als nur einen. Wer clever ist, nimmt ein Hydraulikrohr und sägt los. Wer das Glück hat, in der Bootswerft Grödersby sein Winterlager bezogen zu haben, wendet sich vertrauensvoll an Nils und wird bestens ausgestattet.

Was die selbstgebauten Kernbohrer zu Tage förderten, befand sich in extrem unterschiedlichen Stadien des Verfalls. Und hinterließ natürlich Löcher in Rumpf und Bodenwrangen, die noch wieder geschlossen werden wollen. Mahagoniproppen lautet der heiße Tipp. Ich hatte zunächst vier Wrangen freigekratzt, weil ich durch Björns Erfahrung wusste, dass das Ausbohren mühsam und Zeitaufwändig ist. Es lief dann aber so gut, dass ich die nächsten drei Wrangen nach Achtern auch gleich noch mit erledigt habe. Wobei sowohl die Bohrmaschine, als auch der Akkuschrauber (zum Freibohren verstopfter Kernbohrer), als auch Martha und ich ziemlich schuften mussten bei dieser Operation. Fazit: Muss ich nicht jede Woche machen, aber für die tolle Martha lohnt sich der Aufwand allemal.

Da wir uns schon so intensiv mit dem Unterwasserschiff befassten und ein guter Teil des Farbaufbaus ohnehin abgekratzt war, habe ich dann gleich das Ganze abgezogen und neu lackiert. Ein blätterndes, rauhes, unebenes Farbpaket ist nicht eben toll. Fünf Schichten Primer, zwei Schichten Antifouling - mit diesem glatten Rumpf dürfte Martha spürbar schneller durch die See huschen im Vergleich zur vorigen Kraterlandschaft. Der Effekt trat schon beim Malen auf: Als der erste Primer auf das rohe Holz aufgetragen war, hielt eine Schaumrolle zwei Schichten ringsum durch, ohne dass sie der Kopf aufribbelte. Und für eine Schicht Antifouling brauchte ich kaum mehr als einen Vierteleimer - kalkuliert hätte ich mit einem halben.

Neue Backskistendeckel? Schon halb fertig lackiert! Zwischendurch habe ich mich vor Feierabend der Pantry zugewendet, obwohl noch gar nicht Weihnachten war. Martha versuchte mich beinahe davon abzuhalten, vermittelte mir das Gefühl, hier wirklich nur mit minimalem Aufwand vorzugehen. Es ging mir auch nur um die Optik und um die Tatsache, dass man die Klappe, hinter der das Porzellan gestaut wird, konstruktionsbedingt nicht vernünftig mit einem Vorreiber verschließen kann.

Was ich nach ein bisschen schlau Gucken und Herumstochern entdeckte, war: Die ganze Konstruktion war mit Eisennägeln zusammengezimmert. Und innen lag eine Resopalplatte, bei der sich der Kunststoff vom Sperrholz gelöst hatte, und dazwischen stand ein Schluck Wasser. Da wusste ich ja immerhin, dass es die richtige Entscheidung war, sich einen oder zwei Tage lang diesem Debakel zu widmen, auch wenn Martha fand, dass ich nicht übertreiben solle. Ganz bescheiden riet sie mir dann aber, mich nicht zu großzügig an den neuen Mahagonileisten zu bedienen: "Nein, nein, das ist doch für Salty und Paula", sagte sie, "nimm mal lieber das Reststück hier, das passt doch genau." Ihr Augenmaß ist auch besser als meins....