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Segeln - bunt und zeitgemäß

Wer bin ich? Bin ich ein Segler? Was ist das überhaupt?

Über Jahrtausende segelten Menschen für den Handel - den Austausch von Waren, Menschen und Wissen. Neben Fischerei und Entdeckungsreisen dienten Segelschiffe auch zu Eroberung, Ausbeutung, Kriegführung. Segeln als Freizeitgestaltung ist ein historisch recht neues Phänomen. Segelsport als elitärer Regattasport blieb eine Männerwelt. Mit militärischem Drill und zackigen Kommandos ging es gegeneinander um den Sieg. Auch der Kaiser war ein begeisterter Segler.

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Manchmal scheint es, als sähen sich heutige Freizeitkapitäne in dieser Tradition. Warum eigentlich? Segeln hat sich verändert seit dem Kaiserreich - Yachten werden immer größer, immer breiter, immer stärker motorisiert. Es geht um Komfort, Schnelligkeit, Loslösung von Wind und Naturgewalten, Segeln nach Fahrplan.



Die "Wildgänse" segeln anders: Für Viele erschwinglich, bunt und zeitgemäß. Pflege und Erhalt alter Holzboote ist nachhaltig. Wir motoren nicht die meiste Zeit, sondern segeln klimaverträglich. Jeder Törn ist eine Auszeit von der Digitalisierung – wie wohltuend und wichtig das ist, wird vielen Gästen erst unterwegs bewusst. Viele kleine Boote als Gruppe - wir vereinen Teamwork mit individueller Freiheit, segeln eigenverantwortlich miteinander, nicht gegeneinander. Rücksicht und Respekt vor anderen Lebewesen, der See, den Kräften der Natur gehören dazu, denn es geht nur mit ihnen, niemals gegen oder ohne sie. Wir haben es nicht nötig, uns ständig auf Kosten anderer zu profilieren, denn wir brauchen das nicht für unser Ego. 

Nicolas Imogen Thon
Jahrgang 1970, nicht-binär, als Junge aufgewachsen in Siegen/Westfalen. Gelernter Radio- und Fernsehtechniker. Geographiestudium in Hamburg. Diverse Fernreisen: Uganda, Äthiopien, Tansania, Ecuador, Mexico. Irgendwann vor cirka fünfundzwanzigtausend Seemeilen führte eine vergleichweise kurze Segelreise durch Nordfriesland zur wahren Leidenschaft.



Der fünfzig Jahre dauernde Versuch, ein Mann zu sein, führte schließlich zur Einsicht: Ich bin gar keiner. Das ist toll: Es stehen auch andere vermeintliche Gewissheiten in Frage, und das Leben ist ein buntes Spiel voller großartiger Möglichkeiten. Meistens fühlt es sich jedenfalls so an. Kennt ihr das, sich  zum ersten Mal im Leben in einer Boutique beraten zu lassen beim Kauf des ersten Kleides? Nicht? Macht nichts. Ich jedenfalls kann viel besser segeln, als Ukulele spielen, und kenne mich mit nichts so gut aus wie mit Folkebooten - aber ich möchte nicht ausschließlich darüber definiert sein. Deshalb die Bildauswahl.

Imogen verbringt den Sommer an Bord und ankert lieber, anstatt Wurzeln zu schlagen. Sie lebt im nördlichen Schleswig-Holstein und vermietet seit 2013 Jahren Nordische Folkeboote an der Schlei.


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