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Folkeboot-Treffen an der Schlei: Ziel verpasst und doch übertroffen!!!

"klassisch am wind - Folkebootcharter" und "Folkebootcharter Schleswig - Die Wildgänse“ luden Ende Mai 2015 zu einer besonderen Veranstaltung ein: Wir wollten Folkeboote mit einem gemeinsamen Alter von 999 Jahren im Hafen von Arnis versammeln. Dass die achtzehn Schiffe, die dem Ruf von Geburtstagskind "Paula" (50) und der Grande Dame "Jacaranda" (69) folgten, zusammen nur auf 809 Jahre kamen, spielte in der Bilanz eines tollen Wochenendes nur eine untergeordnete Rolle.

** 2016 wird genauso gut - Folkeboot-Party am 28. Mai, Spaßregatta am 29. Mai, anschließend Flottillentörn **
!!! Kommt alle und bringt diesmal Eure wunderschönen, schnellen, gemütlichen Boote mit !!!


 
 



Das überaus gelungene Fest im Einzelnen:

Der Samstag: Folkeboot-Party

Vormittags Schauer, dazu ein strammer Westwind mit ruppigen Böen - manch ein Folke blieb friedlich im Heimathafen, etliche Crews reisten lieber auf dem Landweg an. Als die Boote, die Arnis erreichten, in zwei Päckchen an der Kranplatte lagen, gaben sie in der Abendsonne dennoch ein wunderschönes Bild ab. Unterdessen versammelten sich die Crews und die weiteren Gäste um die festlich geschmückte Grillhütte herum. Dara Mc Namara und "Sailing-Bassman" Klaus Aktoprak stimmten ihre Instrumente, die ersten Würstchen bruzzelten auf dem Grill, kühles Bier stand in ausreichender Menge bereit.

Der Rest ergab sich in ungezwungener Atmosphäre von selbst: Chartergäste, Eigner und Neugierige waren bester Stimmung, Folkeboot-Neulinge baten "Alte Hasen" um Tipps, ich lernte endlich mal die Jungs von "Lotte" kennen, man plauderte übers Segeln oder lauschte der Musik. Bei uns, den Organisatoren, legte sich bald die unvermeidliche Anspannung, und wir schlossen uns der Begeisterung an, die uns von allen Seiten umgab.

Ein großer Dank gebührt der WSG Arnis/Grödersby als Gastgeber - die vorzügliche Ausstattung des Hafens mit Grillhütte, Kran und genügend Platz für 18 Folkes im Päckchen machte das Fest eigentlich erst möglich. Hafenmeister Achim Jentsch überzeugte wie immer mit Ruhe, Humor und Kompetenz, krante unter anderem schnell noch die beiden Boote, die per Trailer von der Nordsee bzw. vom Bodensee anreisten. Für eine beim Verladen in Bremerhaven gebrochene Jumpstagspreize hobelten wir an der Werkbank kurzfristigen Ersatz. Die Jugendabteilung half am Grill, der Zweite Vorsitzende am Mastenkran. Alles in Allem beste Werbung für einen Hafen, der keine Wünsche offen lässt. Dank auch an alle Teilnehmer, von denen jede und jeder Einzelne eine Bereicherung waren.


Der Sonntag: Spaßregatta und Sturmnacht

Die erste Aufgabenstellung bestand darin, das Päckchen aufzulösen: Um zehn Uhr musste Achim wieder kranen. Mit all den Springs und Leinen, die die Schiffe untereinander und mit Pfählen verbanden, war ein heilloses Chaos zu erwarten - doch alle legten ruhig und überlegt ab, als lägen sie jeden Tag in einem zweireihigen Riesenpäckchen. Binnen fünf Minuten waren alle Boote an neue Liegeplätze verholt, ohne einen einzigen Kratzer, ohne ein einziges gebrülltes Wort.

Anschließend begaben wir uns zum Start einer fünf Meilen langen Regattastrecke zwischen Arnis und Lindaunis. "Tschi Tschi 2", "Juno" und "Pommery" bildeten eine Klasse für sich und sausten dem restlichen Feld auf und davon. Für die weniger Regattaerfahrenen mit den nicht ganz so neuen Segeln blieb ein Riesenspaß, nicht ohne den nötigen Ehrgeiz. "Paula", Vorschoter Björn und ich lieferten uns Privatduelle mit "Oliese" und "Frieda" aus meiner Charterflotte, bei der Halse an der Wendetonne ging Björn beinahe außenbords, duckte sich aber noch rechtzeitig mit dem Fockausbaumer in der Hand, und dann machten wir gegenüber "Idefix" noch mächtig Boden gut, holten sie aber nicht mehr ganz ein und gingen als zufriedene Sechste ins Ziel. Ohnehin gab es weder Startgebühr noch Siegerpreis, dafür aber einen Haufen neue Eindrücke und Erfahrungen, die dringend nach einer Wiederholung verlangen. Die Hauptüberraschung bildete aber "Martha": Ich kenne sie als stoisch und behäbig, dazu fährt sie mit den ältesten Segeln der Flotte - aber sie belegte den vierten Platz! Dem Einhandsegler, der sie gechartert hatte, gab ich einen regattaerprobten und hochmotivierten Jollensegler an die Hand, ein begeisterter Interessent aus dem Verein ergänzte die Crew, und zweifellos machten die einiges richtig, was wir anderen falsch machten.

Am Nachmittag verholten wir mit immer noch zwölf Booten nach Schleimünde, um dort die Nacht zu verbringen. Mit Ach und Krach bekamen wir in der "Giftbude" noch etwas zu essen - das neue Küchenteam dort muss sich erst noch einspielen und lernen, auf die Bedürfnisse der Gäste einzugehen. Ob das gelingt, ist angesichts des phlegmatischen Gesamteindrucks, den die Leute auf uns machten, ein bisschen zweifelhaft. Das Essen war zumindest ausgezeichnet, und als die Nachzügler von "Hoppetosse" erst zur endgültigen Schließungszeit um achtzehn Uhr eintrafen, nassgeregnet, hungrig und ohne eigene Vorräte, wurden ihnen zumindest noch zwei Bier pro Person gezapft und ein Resteteller serviert - den sie aber im Nieselregen unterm Sonnenschirm genießen mussten.

Nachts um zwei drehte der Wind auf West und briste auf eine stramme sechs auf - an der Pier unterhalb des Hafenmeisterbüros lagen wir, gelinde gesagt, ungünstig. "Pommery" scheuerte am Wellenbrecher, "Salty" und "Martha" pieksten gegen den Steg, "Paulas" lange Achterleine musste das alles irgendwie halten. Im Dauerregen holten wir leinen dichter, legten Springs, verzurrten, was zu verzurren war, bis es den Eindruck machte, dass wir so bis zum Morgen liegen konnten. Ohnehin war es in der Dunkelheit überhaupt nicht mehr auszumachen, welches Tau welche Funktion hatte und was geschehen würde, wenn man es löste. Das verschoben wir also auf den Morgen.

Der Rest der Woche: Sturmtief und Geselligkeit
"Paula" war ohne funktionierenden Motor angekommen (eine längere Geschichte, ihr eigener lag fertig repariert zur Abholung bereit, der Leihmotor versagte im großen Stil seinen Dienst), musste sich also Saltys Außenborder und Marthas Skipper ausleihen, um gegen den unablässigen Starkwind nach Kappeln zur Werkstatt zu gelangen. "Pommery" und "Salty" legten ab mit Kurs Sönderborg bzw. Marstal. Der Rest der Flotille einigte sich darauf, sich nach einigen Schlägen auf der Ostsee in Kappeln wiederzutreffen, um dort den nahenden Sturm abzuwettern.

Das Ablegen war, wie schon die nächtliche Aktion, ein wundervolles Gemeinschaftsprojekt. Wer ablegte, nahm für die Nächsten eine lange Luvleine mit zum zwanzig Meter entfernten Dalben. Als wir abends im "Cameo" einkehrten, hatte sich die Unterscheidung zwischen Organisatoren und Teilnehmern, zwischen Vercharterern und Kundschaft, längst aufgelöst. Wir waren als Gruppe unterwegs, folgten nicht einem vorgegebenen Programm, sondern einigten uns auf jeden neuen Plan B, den die nächste Hiobsbotschaft des Seewetterdienstes notwendig machte. Und bekamen nie das Gefühl, enttäuscht ein langes Gesicht ziehen zu müssen - Folkebootsegler sind flexibel, spontan und ständig auf der Suche nach einem noch abenteuerlicheren Abenteuer.

Für Donnerstag erwarteten wir einen im Laufe des Vormittags abflauenden West, für Freitag einen strammen Südost, was zur allgemeinen Begeisterung doch noch eine kleine Reise nach Dänemark nahelegte. Ich schlug als Treffpunkt Marstal vor. „Jacaranda“ konnte nicht mit, die musste Freitag früh schon ihren nächsten Gästen übergeben werden. Dafür traf ich in Arnis die Crew von „Idefix“ und konnte sie für das Vorhaben begeistern. „Paula“ musste noch warten, bis ich vormittags zwei Bootsübergaben erledigt hatte - ich war aber entschlossen, notfalls in der Flaute die ganze Strecke zu motoren. Den Anderen - „Tzefix“, „Martha“, „Maj“ und „Gefjon“ - verordneten wir einen frühen Start: Ablegen bei Sonnenaufgang, um den Wind so lange wie möglich zu nutzen.

Es kam dann aber erneut anders: Die Vier dümpelten bei einem schwachen West dann doch zur Nordspitze von Ærø, weil ihnen da wohl schon die Dünung des nahenden Südost entgegenschwappte. Ich kam erst um zwölf durch die Brücke, durfte dann aber wunderbar aus der Schlei kreuzen: Südost 3 stand auf dem Programm. Es erreichte mich eine SMS mit dem neuen Ziel: Ærøskøbing. Auch gut. Paula lief bis kurz vor Marstal mit fünf Knoten, dann nahm die schöne Brise ab, aber es ging platt vorm Laken mit ausgebaumter Fock immer noch recht zügig durch die Rinnen bis Birkholm. Erst auf die letzte Meile ließ uns der Wind im Stich. Insgesamt eine Stunde Motor ist keine schlechte Bilanz, wenn man sich bereits auf 37 Meilen Motoren eingestellt hatte.

In der Abendsonne erwartete uns auf der Außenmole ein einmaliges Begrüßungskommittee: Vier Folke-Crews winkten und fotografierten. Ein köstliches Nudelgericht und genügend Rotwein standen außerdem bereit - Auftakt zu einem würdigen Abschlussabend einer tollen Woche. „Gefjon“ zog es dann Richtung Svendborg, den Rest - jetzt also nur noch drei - erwartete eine salzige Rückreise. Ab Skjoldnæs mussten wir uns mit der tüchtigen Welle, die ein an sich schöner Südost um 5 aufwühlte, ziemlich abquälen. Kurz vor Gammel Pøl drehte der Wind um ein paar Grad, und nun trafen uns die Wellen wesentlich angenehmer „Paula“ machte mächtig Wasser, doch es war ja ein guter Beitrag, sie endlich „trockenzusegeln“. In die Schlei halsten „Paula“ und „Maj“ parallel, „Martha“ hielt ein wenig Abstand.

Als letztes Abenteuer entschloss ich mich, in Kappeln die Segel vor der Brücke oben zu lassen - und Patrick auf der „Martha“ folgte meinem Beispiel. Bei ruppigen Böen war das im Grunde mehr als gewagt, mit Vollzeug und Vollgas an den zahlreichen anderen Schiffen vorbeizuknüppeln, aber es ging gut, obwohl irgendein Vollpfosten mit Bierflasche in der Hand meinte, direkt vor uns noch einmal aus der Reihe ausscheren und einen Bogen fahren zu müssen. „Zauberkünstler - da ist die Brücke!“ wies ich ihn energisch, aber immer noch gut gelaunt, zurecht. Und wen trafen wir in der Brücke? „Idefix“ auf der einsamen Rücktour von Marstal.

Zu viert ließen wir bei Kaffee und Kuchen in „Paulas“ Cockpit die Woche ausklingen - als „besondere Veranstaltung“ angekündigt, hat es sich als genau das entpuppt. Es war toll, auch und gerade wegen der tausend Planänderungen. Man sagt es häufig, aber diesmal ist es wirklich wahr: Wer nicht dabei war, hat Unvergessliches versäumt! Ihr dürft Euch aber schon auf 2016 freuen, denn eine Neuauflage des Treffens ist garantiert.