| Folkeboote im Winterlager | |
||||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|



Ich
habe wieder eine Nähmaschine, das Kinder-Einstiegsmodell von brother. Und die
Segelpersenninge -
seinerzeit ohne Budget improvisiert - naja...abgesehen von
Scheuerstellen, sind die Fockpersenninge zu kurz und die
Großpersenninge zu weit: Bei Wind schlabbern sie nervig. Ich
erwarte eine
gemütliche Tätigkeit in Sörup an dunklen
Winterabenden,
während auf dem Big Screen im Hintergrund ein beschaulicher
Film
läuft. So einfach ist es dann nicht, ich verzichte auf den
Film, bin aber begeistert von "Little Angel".
In eine ganz andere Richtung geht mein Vermerk aus dem März,
im
nächsten Winter alle Ruderblätter von Antifouling und
Primer
freizukratzen, um den Zustand des Holzes und der Leimfugen
freizukratzen. Die Idee ist nicht völlig absurd, sondern kam
für Olieses Ruder schon zu spät - wir mussten es
während
der Sommerreise provisorisch zusammenflicken. Neben einem neuen Ruder
gibt es also diesmal gründliche Pflege für die
anderen. 
Eine
Leimfuge in der Aufbaufront geht auf. Wieder einmal stellt sich die
Frage: Nur den betroffenen Bereich ausleisten? Oder über die
ganze
Breite? Oder warten, bis das einfacher geht?
Keine
solchen Zweifel gibt es beim Mast, der oben und unten Pflege
braucht. Außerdem gibt es eine neue Batterie, das deutete
sich
bei den letzten Törns schon an. Ach, und der Flaggenstock...der
dritte Bruch lässt sich nicht mehr so einfach kleben oder
anschäften, fünf Lagen Gewebetape sind keine
Dauerlösung. Warum nicht den Abschnitt von Saltys Fußreling
rundhobeln? Die Länge ist ideal. Außerdem bastele ich
uns Barberhauler - das wird ein seglerisches Experiment.
Zunächst brauchen wir kleine Augbolzen
kurz hinter den Wanten. Und
weil ich schon dabei bin, gucke ich mal, wie dicht die
Püttings noch sind, wie es dem Balkweger geht und auch der
kleinen
Fichtenleiste, die noch zur Verstärkung eingebaut ist. Die
soll
nämlich Augbolzen und Barberhauler halten und dem enormen Zug,
der
da bestimmt draufkommt, standhalten. Die mache ich neu, aus Eiche
aus einem Abschnitt von Olis Ruder. Das eigentliche Problem finde ich
erst, als ich die dusselige Platte um das Pütting herum wieder
anschraube: Eine Schraube fasst nicht. Warum? Weil sie nicht richtig
eingedichtet war und seit Jahren Wasser ins Sperrholz eingedrungen ist.
Schon ärgerlich: Die Platte hat fast keine Bewandnis - weder ist
sie in der Lage, Riggrkräfte aufzunehmen mit ihren vier
Schräubchen, noch trägt sie durch Dichtigkeit bei. Im
Gegenteil hat sie diese jetzt sogar ruiniert. Es ist mit der kleinen
Lösung getan: Ein 25mm-Proppen ersetzt alles Mulchige,
darüber kommt ein Flicken Glasfasergewebe, dann kann der
Barberhauler demnächst einziehen.
Paula achtet strikt darauf, dass ich mich auch meinen neuen
Spielsachen ausreichend widme. Außer der Nähmaschine
gibt es
da ja auch eine Ukulele, die möchte, dass ich
fleißig
übe, anstatt mich täglich so sehr an den Booten zu
verausgaben, dass ich abends zu keiner Regung mehr fähig bin. Unter Paulas und Ukuleles Aufsicht kriege ich das hin. 
Wir
wollen verschweigen, wie es zu dieser Kollision kam. Jedenfalls fehlt
seitdem der Lack an Friedas Vorsteven. Und Saltys Fußreling
ist
an zwei Stellen weg. Die Stimmung auf beiden Booten war danach ein
wenig getrübt. Ich persönlich fand, das Risiko segelt
immer
mit, sondern ich habe mich viel mehr
darüber geärgert, dass die letzten Gäste im
vorausgehenden Herbst nicht erwähnt haben, dass das Echolot
nicht
funktioniert. Vielleicht wussten sie gar nicht, was das ist. Im
Frühjahr war es dann ein bisschen zu spät, einen
neuen
Schwinger einzubauen. Das passiert jetzt. Und weil der Schwinger mitten
in einem der letzten noch nicht bearbeiteten Plankenrisse steckt,
werden wir den gleich
ausleisten.
Saltys
Plankenrisse hat ja mal jemand mit Gummi verfüllt - das hat
erstaunlich lange gehalten, ist aber der Grunddafür, sie jetzt
nach und nach mit dünnen Lärchenstreifen
auszuleisten. Ich
finde mitten im Riss noch eine Bastelei von bemerkenswerter
Stümperhaftigkeit. Ob da mal ein Astloch war, lässt
sich
nicht mehr sagen. Jedenfalls kam dann eine Art Proppen hin. Nun hat
nicht jeder einen 50mm-Forstnerbohrer liegen und auch gleich noch einen
entsprechenden Zapfenschneider. Besser wäre sowieso ein Spund
gewesen, wie ich ihn jetzt anfertige.
Für
den Proppen wurde Sperrholz genommen (!) und so eine Lochsäge
aus
dem Baumarkt. Mit dem gleichen Werkzeug wurde sicher auch das Loch in
die Planke gebohrt. Problem ist, dass der Proppen dann nicht passt
(!!), sondern er wurde mit Gummi eingeklebt. Ebenfalls mit Gumme wurde
das Loch gefüllt, das der Zentrierbohrer hinterlassen hat
(!!!). 

Der
Hecklichtkasten hat dabei auch gelitten, er lässt sich aber
weitgehend wieder zusammenkleben. Ein neuer Deckel ist in fünf
Minuten fertig. Inzwischen habe ich beschlossen, die Backskisten
komplett neu zu bauen. Sperrholz gibt es fürs
Hauptschott.
Das wird dadurch auch wieder mehr Festigkeit bekommen.
Die Backskisten: Holz ist da, es kann losgehen - 15x140 mm Khaya. Die
erste Entscheidung, die es zu treffen galt: Lässt sich damit
ein
weiteres Upgrade verknüpfen? Größer zum
Beispiel? Zehn
oder fünfzehn Zentimeter größer
würde die
Backskiste an den nächsten Spant anbinden. Doch nein -
für so
wenig zusätzlichen Stauraum (und es passt ja alles
Nötige
rein) wäre das ein ungerechtfertigter Aufwand: Neue
Deckel,
neue Schwalbennester, neue Einlegeböden (und der
backbordseitige
ist ja gerade erst neu. Wir wollen aber auf jeden Fall etwas machen,
das seit zwölf Jahren auf der Liste steht: Eine Grabenleiste,
die
beim Öffnen Regenwasser aufnimmt, das bisher in die Backskiste
läuft. Warum die nie vorhanden war, weiß ich nicht -
jetzt
puzzeln wir welche hin.
Zweite Entscheidung: Wie verbinde ich die
Bretter miteinander? Am einfachsten scheint mir eine lose Feder. Oh,
vielleicht muss ich das erklären...ihr kennt ja
Nut-und-Feder-Bretter aus dem Baumarkt. Die sind industriell gefertigt
- nuten ist einfach, eine Feder anfräsen ein Riesenaufwand,
wenn
das teure Werkzeug fehlt. Bei einer losen Feder wird, nein, die Feder
durchaus fest mit beiden Hölzern verklebt, sie ist nur vor der
Montage lose. Beide Bretter werden genutet, dazu gibt es...hm...eine
flache Leiste, die in die Nuten reinpasst. Gegenüber der
Baumarktvariante ist das viel einfacher, außerdem
geht nichts von der Materialbreite flöten, ich
brauche nur
zusätzlich ein flacheres Stück Holz.
Gegenüber einer
stumpfen Verleimung ist dies aber viel solider: Mehr
Klebefläche
und Steifheit.
Nächste Entscheidung: Wie verbinde ich Innen- und
Rückseite? (Eine
Kiste hat vier Seiten. Eine Backskiste aber nur zwei, denn Hauptschott
und Außenhaut bilden die restlichen Seiten, die sind aber
schon
vorhanden). Verlockend, aber auch am aufwändigsten
wäre die
klassische Pilzleiste. Auch das muss ich erklären....
Alternative
ist eine zweigeteilte Quasi-Pilzleiste, bei der der
äußere
Teil das Hirnholz der Seiten abdeckelt und der innere Teil für
die
Stabilität sorgt. Und dann gibt es noch Thorkild Linds
Bauweise:
nur eine Vierkantleiste zur Verbindung, der Radius kommt direkt an die
Seiten. Diese Variante hat sich bei Oli und Frieda ausgezeichnet
bewährt. So sollen wir das wohl machen.
Dann also los: Nuten. Federn einpassen. Arbeitsplatte klebe- und
kleckergeschützt mit Folie abdecken. Zwingen,
Niederhalter
und Zulagen bereitlegen. 380 Gramm Epoxi anrühren. So wie es
ist,
in die Nuten und auf die Federn. Angedickt und eingefärbt in
die
Nuten. Zusammenstecken, Zwingen anziehen, Überschüsse
wegspachteln - und Feierabend machen. Es war ein langer, produktiver
Tag, denn Friedas neue Ruderbank hat vorher die gleichen
Arbeitsgänge durchlaufen. Und ich muss gleich noch zum
Baumarkt
und später Lack und neues Harz bestellen, damit wir
nächste
Woche weiterhin arbeiten können.
Nach
vier Tagen (in denen ich auch Friedas Ruderbank und Olis
Fußreling erledigt habe), sind Saltys neue Backskisten einmal
trocken verschraubt und eingepasst, danach komplett verleimt, und
müssen nur noch geschliffen werden. Die Grabenleisten sind
auch
fertig, ebenso ein hübscher neuer Boden für die
Steuerbord-Backskiste. Hat Spaß gemacht. Und abgesehen vom
künftigeren erleichtertem Anschliff fürs Lackieren:
Leichter,
schlichter und tausendmal stabliler als die alten sind die neuen
Backskisten auch. Puh - in den zwölf Jahren, die ich Salty
kenne,
habe ich sie ziemlich umgebaut. Und ich fürchte, ich bin damit
noch nicht zuende.
Inzwischen erweist es sich als richtig, diese Baustelle anzugehen:
Reichlich Nässe, weiches Holz und lose Bronzeschrauben in
diesen
Eckchen! Die Bronzeschrauben, die die Leisten von Dach und Schott mit
den Stichbalken verbinden, liegen frei. Sie lassen sich erschreckend
leicht rausdrehen, ich ersetze sie durch längere, dickere
Niroschrauben. Mit dem Verspachteln von Schrauben,
Löchern
und Unebenheiten beginnt eine lange Reihe von
Arbeitsgängen: Pappmodell. Sperrholz einpassen.
Kleckergeschützt abkleben. Einkleben. Ich möchte
Schrauben
vermeiden (die ich hinterher entfernen und die Löcher
verpfropfen
müsste). Mit Zwingen werde ich nur punktuell etwas. Zum
Glück
habe ich vier Teleskopstützen, mit denen ich mit Hilfe von
Reitbalken und Cockpitrückseite sanften Druck aufs Sperrholz
geben
kann (tunlichst ohne das ganze Hauptschott nach vorne zu
drücken!). Ich brauche alle vier auf jeder Seite, also
vergehen
zwei Tage damit, jeweils eine Seite zu verkleben.
Folie, Tape und Harzüberschüsse entfernen. Anfertigen
der
Füllstücke. Wie kriege ich die am besten fest? Die
Klebeflächen sind nicht eben groß, und sie sollen ja
nicht
gleich abreißen, sobald sich jemand drauf abstützt.
Lose
Federn wären auch hier cool, aber ich wüsste nicht,
wie ich
hier saubere Nuten hinkriegen soll. Schrauben hätten wenig zu
beißen - und jede Schraube wäre ein
Fremdkörper in dem
bisschen Holz. In der Kiste mit den Proppenfinde ich ein
letztes
Stück Dübelstange, es reicht gerade, um die
Füllstücke mit dem Cockpitsüll und dem
Hauptschott zu
verdübeln. Diese Lösung gefällt mir
ausgezeichnet.
Bis zur so neu entstandenen Hinterkante des Aufbaudaches kommt nun
erstmal frische Glasfaser rauf. Die wird dann geschliffen, gespachtelt
und nochmal geschliffen, bevor neue Zierleisten das Ganze
abschließen. Die Zierleisten sind am unwichtigsten, machen
aber
wegen der diversen Radien die meiste Arbeit. Bisher waren es auf jeder
Seite zwei Teile: Das eine formverleimt ans
Füllstück, das
andere formverleimt an die Decksbuch des Kajütdachs angepasst.
Nichts fluchtete, nichts war bündig - aus das erhöht
den
Aufwand beim Lackieren. Ich baue sie jetzt aus einem Stück.
Oder
naja, jedenfalls ohne Lamellen und Formverleimung. Aus einem
Stück
würde neben viel Verschnitt (der sich anderweitig verwenden
lässt) drei Zentimeter Materialstärke bedeuten. Sowas
habe
ich nicht, also klebe ich zwei und einen aufeinander. Baue Schablonen.
Alles kommt zum Einsatz: Stichsäge,
Bündigfräser,
Geradschleifer und auch der umgearbeitete Simshobel mit rundem Boden,
um die Unterseite konkav aushobeln zu können. Ich
weiß
nicht, ob beim Segeln irgendjemand einen Unterschied bemerken wird.
Womöglich wird sogar bemängelt, dass die
schönen
Schattenfugen weg sind. Ich bin aber sehr zufrieden mit dem, was in
zehn oder elf halben Arbeitstagen hier entstanden ist.
Also gleich die erste Schicht Primer rauf? Halt - es gibt noch mehr zu
sehen. Vor allem im unteren Teil ist das Ruder
außergewöhnlich nass. Der Grund dafür ist
auf den
ersten Blick nicht zu erkennen, zumindest muss das aber erstmal ein
bisschen trocknen. Dann sind da an vier Stellen Spunde eingesetzt, und
die sind aus Sperrholz! Wie kommt man auf die Idee, Eiche mit Sperrholz
auszuspunden? Ich meine, Eichen leisten bekommt man zur Not bei
Tischler um die Ecke, wasserfest verleimtes Sperrholz eher nicht. Ah,
ich sehe schon - das bekommt man aber bei Bauhaus. Oder es lag noch
rum. Von außen betrachtet sieht es nicht nach akutem
Handlungsbedarf aus, aber wenn ich nun schon die ganze Farbe
runtergekratzt habe, mache ich natürlich mal so ein
Stückchen
auf. Geht erstaunlich einfach, und es steckt jede Menge Wasser drin.
Also gut so, da jetzt beizugehen, irgendwann in den nächsten
Jahren wäre das Sperrholz delaminiert.
Es gibt aber auch ein Problem an der Vorderkante.
Schwach
erinnere mich, vor Jahren einmal einen Spund eingebaut zu haben, und
der klebt auch weiterhin super. Gemacht habe ich das, weil im Bereich
Wasserlinie ein Unsinnsspund mit viel zu steilen Schmiegen - ich will
sie nicht Schäftungen nennen - vorhanden war. Damals
löste
sich die untere Pseudoschäftung. Die obere war zwar nicht gut
gemacht, hielt aber. Und es war wohl so, dass mir ein bisschen die Zeit
davonlief und ich tunlichst nur den Unterwasserbereich bearbeiten
wollte, um den langwierig vielschichtigen Klarlackaufbau zu vermeiden.
Das ging auch gut, und mit den Jahren habe ich es schlicht vergessen.
Nun ist aber die obere Pseudoschäftung fällig. Und
gleich
darüber sitzt das obere Ruderlager, seit Jahren chronisch
umgeben
von schwarzem Holz. Das ist Nässe, keine Fäulnis,
aber
jedenfalls nicht gut. Bei näherer Betrachtung finde ich einen
Bereich mit Holz, dessen Faserrichtung rechtwinklig zur eigentlichen
liegt. Sperrholz? Furnier? Es lässt sich wirklich nicht
beurteilen, aber ich finde, der Kram muss weg. Ich habe jetzt die Wahl
zwischen einer "Spundtreppe" von drei Spunden übereinander -
oder
einem beherzten Schnitt, der Platz schafft für einen einzigen
großen Spund. Material dafür wäre
ausnahmsweise vor Ort
vorhanden. Und in der Regel befürworte ich gründliche
Lösungen anstelle von Kleinkram. Doch nein. Dem würde
mein
eigener Spund zum Opfer fallen, und der ist so gut gelungen und soll
bleiben. Außerdem will ich nicht radikal alle Bezugspunkte
wegsägen und nachher die Position des Ruderlagers
womöglich
nicht wiederfinden. Oder den Arbeitsbereich immer
größer und
größer machen: Das Ruder ist ja profiliert. Die
Außenfläche ist nicht parallel zur Profilsehne oder
eine
gedachten Bezugsebene genau in der Mitte des Ruders. Irgendwelche
Winkel lassen sich kaum bestimmen. Egal wie ich es mache: Wenn
ich
rechtwinklig zur Oberfläche säge, säge ich
keine
Parallele zur Vorderkante, sondern unten fällt weniger Holz
weg
als oben. Einen dazu passenden Spund anzufertigen, würde mich
wahnsinnig machen. Nein - da arbeite ich lieber in kleinen Schritten,
die ich trotz des gleichen Problems mit einem breiten
Stecheisen
ausreichend gut beiarbeiten kann. 
Ich
mache ja gerne mal etwas neues. Und ich habe noch nie ein Ruder gebaut.
Die provisorische Reparatur hat schonmal prima die zweite
Saisonhälfte gehalten, also sollte das gut gelingen.
Also
Kalfaten. Erstmal die Naht sauberkratzen, auffiedeln (mit
Multimaster und grobem Handschleifpapier) und trockenfönen.
Dann
die Spielsachen bereitlegen: Fäustel, Kalfateisen und
Baumwolle.
Kalfateisen brauche ich zwei: Ein dünnes zum Reinlegen, ein
dickeres zum Stauchen. Kalfaten mit Baumwolle ist eine uralte,
supercoole Technik. Zuletzt kommt noch Gummi drüber. Das dient
aber hier nicht zum abdichten, sondern sorgt nur dafür, dass
die
Baumwolle nicht wieder rausflutscht.
Ich
habe mich ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt, als ich am Vortag
behaupte, Kalfaten mache sogar manchmal Spaß. Jetzt sitze ich
unter Olieses Vorsteven und habe keine Lust. Zum Glück bin ich
nach einer Weile in einem gewissen Flow. Die zweite Seite verschiebe
ich auf den nächsten Tag - langwierige Fleißarbeiten
muss
man in handhabbare Brocken unterteilen.
Wenn es diesen Winter ein unumgängliches, unaufschiebbares
Projekt
gibt, ist das wohl Olis Ruder (wobei die Reparatur ja hervorragend
funktioniert hat, aber das rohe Holz der Aufdopplung ist in drei
Monaten unter Wasser nicht besser geworden. Die ganzen Seepocken sitzen
noch drauf und stinken algig-fischig-eklig. Zum Glück hat
Niels
die bestellten Eichenbretter gerade angeliefert. Mit jedem
Sägeschnitt wird der Haufen handlicher, schnell kann man
erkennen,
was daraus entstehen soll. Drei Bretter zu einem Stück
verkleben;
den Kopf so gestalten, dass der Pinnenbeschlag passt; die Vorderkante
ausrunden; die Form aussägen; das Ruder profilieren - das
stelle
ich mir alles nicht allzu schwierig vor. Mir graut aber vor der
Aufgabe, die Bohrungen für die Ruderlager vom alten aufs neue
Ruder zu übertragen - hier gibt es so gut wie keine Toleranz.
Aber
ha! Ich baue erstmal ein Modell: Sperrholz mit Knaggen, die die
drei Beschläge in Position halten. Ich hänge es Oli
ans Heck
- und stelle fest: Nur das untere Ruderlager liegt auf. Das ist nicht
gut. Aber ich kann ja die Knaggen lösen und ein paar Milimeter
versetzen, bis alle drei Ruderlager gut positioniert sind. Nun bin ich
zufrieden, vor allem damit, dass sich diese Positionen mittels der
Knaggen gut am neuen Ruder anreißen lassen. Ich muss genau
gerade
bohren und in keiner Richtung schräg - dafür gibt es
eine
Bohrführung, die ich mal gekauft und bisher selten benutzt
habe.
Sie bewährt sich jetzt. Ich drehe die Ruderlager provisorisch
in
die so entstandenen Löcher und winke Andreas und Andreas
herbei.
Zu dritt hängen wir das neue Ruder (bzw. seinen vorderen Teil)
probeweise ein. Zunächst passt das obere Ruderlager nicht,
aber
der Teil am Boot lässt sich noch eine halbe Umdrehung dichter
an
den Heckspiegel drehen - das ist sowieso besser, denn bisher hing es
ein bisschen frei in der Luft. Nun liegt es auch hier sauber an.
Andreas bohrt noch eine Fase an, damit der Zapfen williger in sein Loch
rutscht - schon ist alles toll: Das Ruder geht gut rein und raus, und
es bewegt sich auch nach links und rechts. Der schwierigste Teil ist
bewältigt, der Rest eine Frage von wenigen Tagen.
Die Kontur ist gesägt, jetzt das Profil: Erstmal zeichne ich
Linien auf den Rohling, strahlenförmig vom Fuß
ausgehend und
auf den Kopf zulaufend, dabei im Idealfall tangential zur Achterkante
des Ruders. Ganz lässt sich das nicht machen, denn entlang
dieser
Linien säge ich mit der kleinen Handkreissäge, und
die kann
keine Radien, also knicken die Linien ab. Ich markiere die Linien mit
0, .25, .50., .75 und 1,00. Entscheidend sind diese Schnittiefen in
Zentimetern, denn letztlich sind es Tiefenlienien. Dann hobele ich sie
einfach weg. Also: Ich hobele die Eiche weg, bis die Schnitte
verschwinden. Das Profil kann dann gar nicht anders, als von
der
vorderen zur hinteren Kante gleichmäßig abzufallen. 

"Dein
wievielter Ballast ist das?", fragt Ulf. Lächelnd antworte
ich:
"Mein letzter!" Und das meine ich ernst: Nie wieder möchte ich
Tage damit verbringen, Pallhölzer an Bord zu schleppen und mit
Hammer und Hydraulik Bolzenreste aus Holz und Ballast zu entfernen.
Oder im an Kettenzügen schwankenden Boot sitzen und auf
Anweisungen warten, während unter mir Niels versucht, die
neuen
Kielbolzen zum Fluchten zu bringen.
Frieda
ist traumatisiert, doch sie bleibt tapfer, ihrer Retterin Martha
für ewig dankbar, sowieso geduldig, und sie weiß
kleine
Aufmerksamkeiten zu schätzen. Also widme ich mich ihrem
Backskistendeckel: Furnieren ist nicht einfach, man kann Fehler machen,
und dann wirft man entweder alles in den Müll und wandert aus
auf
die Bahamas - oder man bessert nach. Ich bessere nach, ein Fall
für die Oberfräse. Beim
Bündigfräsen, so fluffig,
wie das klappt, bekomme ich richtig gute Laune. 
Als
alle Nägel raus sind (stattliche Ausbeute) und alle nicht mehr
ganz so gut aussehen wie vor einundfünfzig Jahren,
müssen die
Löcher wieder zu. Erstmal mit Epoxi und Abschnitten von einer
Dübelstange. Im nächsten Schritt forstnere ich die
alle
wieder auf, denn nach außen hin wollen wir natürlich
vernünftige Querholzdübel aus Lärche in die
Lärchenplanken kleben. Wir brauchen also gut 100 Proppen. Die
neuen Schrauben werden verspachtelt. Wenn alle Proppen drin sind und
das Harz ausreagiert ist, müssen sie noch
beigestochen
werden. Und dann ist es im Wesentlichen fertig.
Zwischendurch
fällt mir das Cockpitsüll ein: Da sitzen seit ewig
zwei
Schlüssellochbeschläge. Wofür die
mal gut waren,
weiß ich noch nicht. Vor Jahren haben es mir
Chartergäste
verraten - die trafen jemanden, der Frieda von früher her
kannte
und wusste, was es mit den Beschlägen auf sich hatte. Ich
hab's
wieder vergessen. Inzwischen stören sie, nochzumal ich
dahinter
nicht lackieren kann.
Zweimal
habe ich die kleine Makita-Oberfräse schon an Bord,
Fräser in
der Hand, bereit zum Fräsen. Zweimal packe ich sie wieder weg.
Das
Ding ist nicht meine Maschine: Keine Bremse, im Notfall mühsam
zu
betätigender Mini-Kippschalter, miseables Futter - mir ist da
beim
Fräsen schonmal der Fräser rausgerutscht. Das
kompakte
Gehäuse und die kleine Auflagefläche sind zwar der
Clou, aber
die Maschine ist sehr hoch im Vergleich zur Auflage - man darf nur
unten an dem kleinen Tischchen schieben, auf keinen Fall oben am
Gehäuse, sonst kippelt sie und fräst nur Mist.
Auf
einer waagerechten Fläche mag das gehen. Das Süll ist
aber
nunmal senkrecht - die Schwerkraft hilft nicht mit, sondern ich muss
die Maschine erstmal halten, bevor ich sie anfangen kann, sie
zu
schieben. Ich weiß, dass andere Leute (Andreas zum Beispiel)
sehr
gerne mit dieser Maschine arbeiten. Mir ist das zu heikel. Die alten
Löcher kriege ich auch weggeforstnert. Und statt die Spunde
bündig zu fräsen, hobele ich sie. Von Hand dauert
kaum
Länger, als erst eine Fräslade zu bauen bzw. die
Maschine
akurat einzustellen. Es ist aber kontrollierter.
Beim Demontieren der zu lackierenden Kleinteile
fiel mein Blick eher
desinteressiert auf Friedas Ruderbank. Sperrholz mit
Teak-Außenlage - pflegeleicht unlackiert. Aber oh! Die
diversen
Umrisse abgestellter heißer Töpfe und Pfannen sind
seit
Jahren unschön, aber die sind es nicht, was mein Auge
irrirtiert.
Sondern die Tatsache, dass sich hier und da die Außenlage
verabschiedet! Wenn eine Sperrholzruderbank SO aussieht, würde
sie
noch etliche Jahre durchhalten, aber so eine Optik ist nicht unser
Anspruch. Wir bauen das neu!
Teak? Zu teuer. Künftig muss ich eben
auch Friedas Ruderbank
jährlich lackieren. Sperrholz? Warum verwenden eigentlich
immer
alle für so etwas Sperrholz? Sogar ich, als ich vor Jahren bei
Saltys neuer Ducht dem Trend folgte. Ich weiß gar nicht, ob
hochwertiges, wasserfest verleimtes Sperrholz erheblich
preisgünstiger ist als Vollholz. Zumindest lassen sich fast
beliebige Maße aus einem Stück bauen, aber Sperrholz
hat
zwei wesentliche Nachteile: Erstens müssen die Schnittkanten
mit
Umleimern verdeckt oder sonstwie versiegelt werden, und Umleimer lassen
sich nicht in beliebigen Radien anfertigen. Und zweitens
müsste
man wegen der kreuzweisen Verleimung längliche
Sperrholzstücke (wie eine Ruderbank) in doppelter
Materialstärke bauen, um die gleiche Bruchlast zu erreichen.
Wir wählen also Mahagoni Vollholz und die gleiche Verleimung
wie
bei Saltys Backskisten mit loser Feder. Hier geht das schneller, denn
das Lamello-Standardmaß trifft genau die Mitte der
Materialstärke. Ich kann also den Lamellofräser
verwenden und
kenne dadurch auch die Stärke der zu sägenden Feder:
Vier
Millimeter. Das passt alles auf Anhieb zusammen. Was ich noch nicht
kenne, ist der Bedarf an Harz. Ich rühre
fünfzig...nein:
sechzig Gramm an. Dann wiege ich nochmal sechzig...*pütscher*
*klecker* *träum* ...scheiße, siebzig, nein achtzig
aus. Und
später nochmal vierzig, angedickt mit Baumwollflocken und
eingefärbt inzwischen auch mit Braun statt dem
anfänglichen
komischen Grünton, der neulich im Baumarkt als einziger im
Regal
war und in der LED-Beleuchtung so schön rötlich
wirkte. Die
Menge reicht so gerade eben und eben. Natürlich quaddelt beim
Anziehen der Zwingen ein großer Teil wieder raus, doch wenn
es
anders wäre, bekäme ich schlechte Laune und
müsste
womöglich neues Holz bestellen.
Marthas
Ruderbank ist zufällig wegen des Anschliffs vor Ort,
obwohl ihr Boot in der anderen Halle steht - steht
Modell für
das, was ich vorhabe: Marthas Ruderbank ist nämlich die
beste! Sie ist an den Rändern breit und bequem und in der
Mitte
schön schmal, damit die Knie und Unterschenkel Platz haben.
Ich
reiße das so an, säge es aus, fräse die
vordere Kante
rund. Ein bisschen Handschliff, dann ist eigentlich bereit zur Anprobe.
Frieda ist sehr zufrieden.
Sie
wartet dann lange auf das neue
Bodenwrangen-Unterteil, während ich mich mit Olies Ruder und
Saltys Cockpit befasse. Endlich ist es so weit: Ein schönes
Stück Eiche liegt auf der Werkbank, darauf die alte Wrange.
Zum
Anreißen der Kontur ist die noch gut genug. Aussägen
- fast
fertig. Die Schmiegen sind mini in diesem Bereich, was es nicht
einfacher macht - mit dem Stecheisen kann ich schlecht fast nichts
abtragen. Kriminell ist wie immer die Bohrung für den
Kielbolzen.
Misslich ist vor allem, dass der natürlich bleibt, wo er ist -
ich
habe ihn ja letztes Jahr erst einbetoniert - und ich die neue Wrange
drumherum bauen muss. Um die Flanken zur Außenhaut hin
anpassen
zu können, wäre es hilfreich, wenn die Bohrung in der
Mitte
zuverlässig stimmte. 
Marthas
technisches Logbuch hat die ganze Saison über keine neuen
Einträge. Das heißt natürlich nicht, dass
gar nichts zu
machen ist. Es wird sich aber größtenteils um
Kleinigkeiten
handeln.
Da
ist zum Beispiel eine offene Leimfuge am Heckspiegel. Beim
Zusammenpacken des Werkzeugs stelle ich mir das so elegant
vor:
Anschlagleiste ran, Lamellofräse rauf, fertig ist die Fuge von
exakt vier Millimetern Breite. Vor Ort das lange Gesicht: Ruderlager
und Lenzpumpenauslässe sind der Fräse im
Weg. Zwei
parallele Schnitte mit dem Multimaster sorgen für fast das
gleiche
Ergebnis. Ich muss nur noch den Hauch Mahagoni, der zwischen den
Schnitten stehengeblieben ist, rausoperieren. Die Lamellofräse
hätte ihn einfach ausgeräumt, jetzt prokele ich mit
dem
Messer und schubbere mit dem Stecheisen. Dauert länger. Aber
bei
Weitem nicht so lange wie die Demontage von Pumpenauslässen
und
Ruderlager.
Jetzt
ist eine offene Schäftung im Schergang an der Reihe.
Die
übliche Methode - kleines Loch bohren und mit der Spritze
Epoxi
injizieren - habe ich schon vor Jahren schon versucht. Das Problem ist,
dass man von außen die Schäftung nicht sauber und
trocken
genug bekommt, ohne ein bis zwei Nieten zu kappen. Hier oben
möchte ich das vermeiden, denn ich kriege keine neuen Nieten
gesetzt - innen ist der Balkweger davor.
Ich
probiere also, die Stelle mit einem Spund zu deckeln, ohne die
Nietreihe anzutasten. Wenn es gut läuft, kriege ich unterhalb
und
vor dem Spund genügend Harz in die Schäftung, damit
das auch
dort dauerhaft dicht wird. Erstmal eine Schablone. Dann wieder
Handarbeit - mit dem Stecheisen. Der Spund lässt sich anhand
der
Schablone mit der Japansäge gut anfertigen. Einkleben,
aushärten lassen, Überschüsse wegstemmen -
und das
Ergebnis kritisch beäugen. Hm.
Marthas Ruder - ein Desaster? Auf den ersten Blick vielleicht, aber
nein. Es ist nass. Die Feuchtigkeit verschwindet aber schnell, nach
kurzem Fönen fangen abstehende Fasern und Späne schon
an zu
glühen. Ich habe dieses Ruder vor Jahren schon
gründlich
aufgearbeitet. Da fehlte mir noch Erfahrung - auch die Erfahrung,
besser nicht zu hören auf Ratschläge von Leuten, die
nur so
tun als seien sie kompetent. Ich würde das heute also anders
machen, aber es hält alles noch. Die Mahagonispunde im Bereich
des
mittleren Ruderlagers sind Vollholz, kein Sperrholz wie bei Salty, und
sie sind auch nicht weich oder gammelig. Ich fräse sie
trotzdem
weg und ersetze sie durch Eiche. Vorher schraube ich aber das
Ruderlager raus.
Auf diese gute Idee bin ich damals wohl nicht gekommen - mit dem
Resultat, dass das Gewinde angefräst wurde. Nun rostet es. Das
ist
wohl hier die eigentliche Baustelle: Ruderlager gründlich
entrosten und später mit Baumwolle so eindichten, dass
künftig nicht mehr all diese Nässe ins Holz
eindringen kann.
Ansonsten ein bisschen Bandstahl einfräsen, falls
in Zukunft
eine Leimung aufgibt, sowie hier und da ein bisschen ausleisten. Dann
ist recht wenig Aufwand für ein paar Jahrzehnte
zusätzliche Lebensdauer dieses Ruders, finde ich...