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Juli 2021

Wildgänse auf Sommerreise

Endlich sind wir wieder wochenlang gemeinsam unterwegs mit wechselnden Gästegruppen. Sommerreise, das bedeutet Abenteuer, Hafenkino, gelebte Physik, lange Schläge und kurze Anekdoten. Wir starten mit Fyn rund und der Waschmaschine von Snaevringen, dann kamen die Kanalinsel und der Limfjord.



Juni 2021
In der Waschmaschine
Die Sommerreise beginnt mit dem idealen Szenario: Wir nehmen uns am Samstag Zeit für ausgiebige Einweisungen, am Sonntag laufen wir aus bei strahlendem Sonnenschein und höchst moderatem Wind um die drei Beaufort – für die ersten gut dreißig Meilen gibt es entspanntes Schönwettersegeln. Ungewöhnlich ist nur die Uhrzeit: Wir starten abends um acht.

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Juni/Juli 2021
Reise zur Kanalsinsel
„Als wir gestern Abend ankamen“, berichtet der Stegnachbar, „war der ganze Hafen voll, aber an diesem Steg lag kein einziges Boot. Wir haben uns gefragt, ob man hier überhaupt anlegen darf, oder ob das vielleicht ein Vereinssteg ist.“ Sie haben dann gleichwohl angelegt, „und als ich heute morgen rausguckte, hab ich gedacht: ‚Ach du Scheiße! Das ist wirklich n Vereinssteg!“ Warum? Weil da plötzlich lauter Folkeboote lagen. Er konnte nicht ahnen, dass die „Wildgänse“ eine neue Spezialität haben: Mit einem Affentempo durch die Nacht zu sausen und sich mit dem ersten Licht in den Hafen zu schleichen.
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Juli 2021
Mein persönlicher Limfjord
Anderswo liegt man einfach nur im Hafen. Langør ist ein Urlaubsort: Wir liegen direkt an der Badestelle, es ist warm, obwohl es inzwischen pustet wie hulle. Alle wählen die fünf Folkeboote in der Abendsonne als Fotomotiv. Ringsum grün, Inseln, Sandbänke, reichlich Wasser, pure Idylle. Die Gäste speisen im Café, auf Paula brutzelt der Räucherlachs. Und ich bin ein glücklicher Mensch.
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Mai/Juni 2021

Tierisch: Raus aus dem Käfig

Zwischen zwei Klappbrücken eingesperrt zu sein und nirgendwohin zu dürfen, das ist wie eine Löwin, die unruhig in ihrem Käfig auf und ab tigert - Paulas Lieblingsrevier liegt nicht zwischen Kappeln und Lindaunis. Zweimal gingen wir dort spielen, und sie machte mächtig Wasser, jedenfalls bei 6er Böen auch ohne Seegang. An einen wilden Ritt über den Kleinen Belt wollte sie sich erstmal allmählich rantasten und sich trockensegeln. Als wir quarantänefrei nach Dänemark und zurück durften, war zunächst das Wetter miserabel, unter einem Meter Welle kein dänischer Hafen zu erreichen. Wir lauerten. Hofften. Dann öffnete sich unser Käfig den ersten richtigen Segeltag des Jahres. Mit uns freuten sich Wolken und, selten nehme sich sie wahr, diverse Tiere.

April 2021
Warteschleife
Deutlicher Fortschritt gegenüber letztem Jahr: Die Boote duften plangemäß früh zu Wasser. Seitdem vertreiben wir uns die Zeit mit gelegentlichem Spielengehen auf der Schlei, Schnuppersegeln, Trainings und Tagestörns, einem Schmalspurprogramm im Rahmen des Erlaubten. Die Inzidenzwerte sinken, die Experten äußern sich optimistisch, um mich herum sind plötzlich Menschen schon geimpft, und so dürfen wir auf eine schöne, spannende, tolle Segelsaison hoffen. Inzwischen huldigen wir der Marsh Family - Tess und Ella bringen, begleitet von Papa auf der Gitarre, die Höhen und Tiefen der Pandemie und des Lockdowns in Jumpsuits auf den Punkt.

Januar 2021
Filmtipp: Kreuz im Blackström
Eine J80 und kein Folkeboot - aber sowas haben wir auch schon praktiziert. Und zwar im Formationsflug. Leider hat es niemand gefilmt. Hätte es jemand gefilmt, wäre zumindest ich auch nicht so stilvoll gekleidet gewesen. Ein wirklich sehenswertes Filmchen, das zeigt, wie segeln geht. 

zu sehen auf YouTube...

Winter 2020-21: Neu sortieren

Letztes Jahr hatten Oliese und ich eine ganze Bootswerft fast für uns allein. Die gibt es nun nicht mehr - die Maschinen sind weg, die Abrissarbeiten haben begonnen. Wir müssen uns also neu sortieren. Keine Kielsanierung dieses Jahr, dafür neue Cockpittische, Heckspiegel, dies und das...wir sind schon ganz fleißig.

Winterarbeits-Blog  

Oktober 2020
Der Schröter macht den Schrot klar...
Der Gedanke kommt aus dem Nichts und führt nirgendwohin: Im morgendlichen Halbschlaf, nicht mehr richtig schlafend, aber auch noch nicht vollkommen wach, denke ich an Nachnamen, die eigentlich Berufsbezeichnungen sind. Völlig klar: "Der Schröter macht den Schrot klar, und der Müller den Müll." So beginnt der Tag mit selbstironischem Lachen, während das Saisonende näherrückt.

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August/September 2020
Vier Wochen
Vier Wochen segeln. Gleichgültig, wohin. Der Sommer endet: Durchwachsenes Wetter und frühe Dunkelheit statt Hochdrucklage, dafür aber wieder leere Häfen. Und Naturphänomene, unvergessliche Höhepunkte, seltsame Begegnungen. 

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August 2020
"Wir sind gesegelt, wo der Fisch steht" - Das Folkebootesammeln geht weiter

Eskilsø im Lindelse Noor, kurz vor Sonnenuntergang: Paula, Pommery und Delit liegen schon seit dreieinhalb Stunden vor Anker. Martha, Salty und Oliese sind nach und nach eingetroffen, jetzt kommt auch Frieda angetuckert. Wir sind komplett: Sieben Folkeboote ankern im Päckchen.

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Juli 2020
Zuviel
Die Butter genießt die Morgensonne. Sie weiß wohl, dass sie in der dunklen, kühlen Abgeschiedenheit der Bilge besser aufgehoben wäre - doch ist es nicht viel schöner, beim gemütlichen Treiben auf dem Cockpittisch dazuzugehören? Gar ein wenig im Mittelpunkt zu stehen? Sie ist eine fröhliche, glückliche, bestens gelaunte Butter. Dann, ganz plötzlich, von einem Moment zum nächsten, zerfließt sie in Selbstmitleid, bis nichts mehr übrig ist als triefendes Fett.
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Juli 2020
Familienurlaub, oder: Bei uns ist immer Folkeboottreffen
Kein Folkeboottreffen wegen Corona? Ach was. Bei uns ist immer Folkeboottreffen. Vor allem, wenn Pommery, Paula und Lovis Familienurlaub machen.



 
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Juni 2020
"Du bist ja wohl völlig irre!"
Das Lindelse Noor ist eine wunderbare Bucht südlich von Rudkøbing - weitläufig mit mehreren kleinen Inseln und vielfältigen Ankermöglichkeiten. Allzu unbefangen darf man sich hier nicht bewegen: Die Einfahrt bildet eine Barre, deren tiefe Stelle man treffen muss. Dahinter folgt ein tieferes Becken, umgeben von Untiefen und Steinen. Betonnung gibt es keine, sorgfältige Navigation also ein Muss. In meiner Seekarte markieren diverse Bleistiftstriche mit Koordinaten die Kurse und Peilmarken, die sicher durch dieses Abenteuer führen. Wir werden allmählich zutraulich, probieren verschiedene Stellen aus, diesmal genau vor der Insel Bukø. Charterern habe ich diesen Ort noch nie empfohlen. Doch in dieser Gruppe können alle geradeaussegeln, Anlegen unter Segeln gehört auch schon zum Repertoire - warum also nicht eine Spur Nervenkitzel?
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Juni 2020
Die Schlei leert sich
Kleine Breite kurz nach zehn. Die Sonne ist unter, es bleibt hell. Um diese Jahreszeit wird es bei uns überhaupt nie vollkommen dunkel. Kurze Hosen, barfuß, ich ziehe mal doch mal ein Hemd übers T-Shirt. Ein Motorboot dröhnt vorbei, danach höre ich nur noch Paulas leises Glucksen und das Geschrei einer vorbeifliegenden Gänseformation.

Drei Ankerlieger sind geblieben, um die Nacht zu verbringen. Als wir um halb sechs die Segel bargen, waren noch zahlreiche Boote hier, eines lag vor Heckanker, damit die Nachmittgasbrise die Hitze aus dem Cockpit weht. Dutzende Boote sausten durch die Bucht. Nun liegt hinter uns eine leicht gekräuselte, ausgedehnte, friedliche Wasserfläche.

Unsere bisherige Saison: Ein unspektakulärer Probeschlag, einmal Lindaunis und zurück. Ein toller Flottillentörn. Dazu Hygienekonzept, Absage der Schwedenreise und Auffüllen der Lücken im Buchungsplan. Jede Menge Neukunden, Einweisungen, Trainings, gefühlte 1000 Buchungsanfragen. Es ist Zeit für einen kurzen Urlaub.

Samstag Mittag kamen die Gäste. Dauerregen und Gewitterwarnung - wir vertagten die Einweisung. Sonntag waren wir fast bereit zum Auslaufen, als die siebener Böen einsetzten. Montag Vormittag konnte ich endlich den vereinbarten Schlag mit Salty und den supernetten, vorsichtigen Folkeboot-Neulingen segeln. Der Tag reichte noch für den Einkauf und die Entscheidung, heute nicht mehr auszulaufen.

Montag war auch der Tag, an dem Dänemark seine Grenzen öffnete. Eine gewaltige Armada verließ vormittags die Schlei - nicht, um zum Liegeplatz in Marina Minde oder Dyvig zu verholen: Fast alle nahmen Kurs Lyø, als hinge das Leben davon ab, gleich bei der ersten Gelegenheit auf der Insel einzufallen.  

Mai/Juni 2020
Wasser marsch: Zum Glück Glücksburg
Ein erster Flottillentörn in Zeiten des Virus - mir war vorher völlig unklar, was uns in fremden Häfen erwarten und wie es sich anfühlen würde. Ziele in Dänemark kamen nicht in Frage, also blieben wir in einem Umkreis, der sich auch per Fahrrad hätte erreichen lassen. Wir waren uns einig: Es konnte nur darum gehen, trotz der ungewohnten Begleitumstände schöne Segeltage zu verbringen.

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Mai 2020
Wir gehen spielen
Zum Feierabend kann man ja gut die Segelchen aus dem Auto laden. Muss ja sogar, weil sie den linken Außenspiegel verdecken. Weil das Wetter so schön ist, der Wind zwar immer noch ordentlich und böig, aber nicht mehr so grimmig wie über Tag, schlage ich Olieses gleich mal an. Dann legen wir ab.

Schlei Richtung Lindaunis ist ja immer ein bisschen unspektakulär. Trotzdem ist es gut, nach sechs Monaten Abstinenz mal wieder durchgepustet und mit etwas Gischt eingedeckt zu werden. Büschn Pumpenaction, die im Hafen sofort stoppt, ansonsten hat Oli alles im Griff.

Als im Hafen die Fock geborgen ist, zeigen sich die Zuschauer: Louises neue Eignerin möchte ihrer Freundin, die beim Lackieren geholfen hat, zum Abschluss des Tages die schönen Folkeboote zeigen. Und prompt kommt eines in Rauschefahrt und voller Lage angeschippert. Wir ignorieren die Hafenordnung - so viel Rebellion muss heute sein, schließlich sind kaum Boote und Menschen vor Ort - und kreuzen auf das Hafengebäude zu, fahren einen Aufschießer, verzichten heute auf das Festmachen am Pfahl. Oli stoppt und hält die Position, ich berge das Groß. Dann wriggen wir zum Liegeplatz. Macht Eindruck aufs Publikum. Rundet für mich den Ausflug ab. Und Oli? Sie wäre enttäuscht gewesen über auch nur eine einzige Minute Motorbootfahren.

Nächster Tag: Mittags ein Ründchen mit wasserdichter, grundzufriedener Martha. Abends erwartet Salty komplett abfahrbereit Stephan und Sohn, ich stürze mich auf Frieda, und bei dem kleinen Dämmertörn kommt auch noch ein Hauch von Regattastimmung auf. Nur ein Hauch, Frieda ist ja so schnell - aber Salty sieht sooooo schöööön aus wie sie da bei Traumwetter durch das trübe Schleiwasser kreuzt. 

Wenn die Saison so verläuft, wie wir sie eingeleitet haben, wird sie wider Erwarten doch noch grandios!

Mai 2020

Corona und Segeln - gute Nachrichten und solche, auf die wir noch warten müssen
Die Flut von Nachrichten zum Thema Corona ist erheblich. Leider verblasst der Informationsgehalt oft hinter Spekulationen und Vermutungen. Diesen möchte ich ungern meine eigenen hinzufügen, deshalb überhäufe ich euch nicht mit Mails, die auch nur meine Tagesform widerspiegeln würden. Auch jetzt gibt es nur wenige handfeste Dinge zu berichten. Dennoch immerhin ein Überblick:

Die "Wildgänse" schwimmen
Oliese hing drei Tage an der Tauchpumpe. Martha brauchte zu Beginn deren zwei. Salty und Frieda spielten ein bisschen mit ihren neuen Bilgepumpen. Paula verurteilte ihre zum Schweigen, bis sie sich zumindest dem Regenwasser widmen durfte. Man darf wohl sagen, die Boote haben im um vier extrem trockene Wochen verlängerten Winterquartier sehr unterschiedlich auf ihr Holz geachtet. Sie hatten zuletzt den Unterwasserbereich mit Baufolie umklebt und zwei Bottiche mit Wasser untergestellt - dieser Mundschutz hat auf jeden Fall gewirkt.

Viel wichtiger ist: Die glückliche Folkeboot-Familie ist wieder vereint und nimmt gemeinsam ein erfrischendes Bad. Ich hatte fest damit gerechnet, vor Rührung furchtbar heulen zu müssen - entweder war ich wirklich tapfer, oder die Damen hatten sich vorher abgesprochen, mich mit der Pumpenaction zu beschäftigen und abzulenken.

Die Häfen öffnen. Oder?
Der Termin 4. Mai war drei Wochen vorher angekündigt, geisterte aber erst vor wenigen Tagen als Sensationsmeldung durch die Medien. Viele Charterer riefen mich aufgeregt an, wollten wissen, was dran ist und was es für ihre Buchung bedeutet. Ich weiß aber auch nicht mehr, die Informationspolitik ist ein wenig enttäuschend. Dennoch haben wir bereits gekrant, um die Freigabe der Segelsports dann auch sofort nutzen zu können.

Die neue Landesverordnung gilt nun bis 17. Mai und lässt in Verbindung mit Erläuterungen des Wirtschaftsministers folgendes zu: Sportboothäfen dürfen eingeschränkt öffnen, Duschen bleiben geschlossen, Toiletten nur tagsüber. Ermöglicht werden dadurch Slippen, Vorbereiten, Tagestörns.

Das Bundesland und seine Hotels öffnen auch - aber wann?
Eingeschränkter Hafenbetrieb also bis zum 17., am 18. Mai dürfen wir wieder loslegen. All die Mutmaßungen, Meinungen und Gerüchte von handfesten Informationen zu trennen, ist ganz schön Arbeit. Die jeweils neue Landesverordnung wird immer zwei Tage vor Inkrafttreten veröffentlicht, kein üppiger Vorlauf also für ihre Umsetzung. Egal - unser Hygienekonzept steht.

Das Segelrevier
Dänemarks Sportboothäfen sind durchgängig geöffnet, aber wir kommen nicht hin: Die Grenzen bleiben bis Mitte Juni geschlossen. Solange Dänemark deutschen Seglern nicht zur Verfügung steht, besteht das zugängliche Revier aus Schlei, Flensburger Förde, Kieler Förde, bei günstigem Wind Fehmarn und für längere Törns die Lübecker Bucht und Mecklenburg.

Grundsätzlich ist das gar kein schlechtes Programm, um aus der Not eine Tugend zu machen. Ich freue mich fast schon ein bisschen darauf. Ein Problem wird aber sein, dass die deutschen Segler, die sich normalerweise in der dänischen Südsee und der halben Ostsee verteilen, nun auf eine sehr begrenzte Zahl von Häfen angewiesen sind. Volle Häfen und Kontaktvermeidung sind nicht die besten Freunde.

Hoffen wir also auf gute Nachrichten im Laufe des Monats.

Was wird also aus den Törns ab Svendborg im August?
Wenn Svendborg zuverlässig geht, tummeln wir uns dort. Wenn es nicht geht, treffen wir uns an der Schlei. 
Die Svendborg Classic Regatta ist für dieses Jahr abgesagt, das ist in jedem Fall schade und wurde ausgesprochen früh entschieden, vermutlich auch um begrenzte Manpower der Organisatoren zu schonen, wenn der Aufwand mit gewisser Wahrscheinlichkeit vergeblich wäre.


Und wie steht es um die Schwedenreise?
Die Sommerreise ist auf nächstes Jahr verschoben, die Teilnehmer haben die Wahl, solange zu warten oder dieses Jahr trotzdem zu segeln. Die meisten haben keine Lust auf Fehmarn. Die entstandenen Buchungslücken schließen sich rapide, so dass finanziell kein Verlust entsteht. Hoffen wir, dass unsere schwedischen Freunde bald auch das Virus in den Griff kriegen.

Folkeboot-Treffen 2020
Der Termin wäre der 6. Juni gewesen: Endlich ist wiederFolkeboot-Treffen in Arnis. Ich presche vor: Die Diskussion im Kreis der Teilnehmer ist noch gar nicht abgeschlossen, doch für mich steht fest, dass eine solche Veranstaltung, selbst wenn sie bis dahin unter irgendwelchen Auflagen erlaubt würde, nicht das richtige Signal wäre. Gruppenansammlungen im Hafen, gleich welcher Art, sind dieses Jahr schlicht nicht angesagt, und nach ersten Eindrücken im Hafen wird es anstrengend genug sein, das den Unbelehrbaren und Sorglosen einzutrichtern - da möchte ich selbst nicht noch zum Falschen aufrufen.  

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Das Gemeinte und sein Gegenteil
Diese Anmerkung kann ich mir einfach nicht verkneifen. Die aktuelle Landesverordnung formuliert die langangekündigte Öffnung der Sportboothäfen so: "Sportboothäfen sind zu schließen."

Weiter unten wird das so ergänzt, dass sie öffnen dürfen, sofern die Duschräume verschlossen bleiben und die Toilette nur tagsüber erreichbar ist. Dass ich, um diese Aussagen erläutert zu bekommen, vom Kollegen 1. Klasse Charter auf die Facebook-Seite des Wirtschaftsministeriums verlinkt werden musste, empfinde ich schon ziemlich skandalös. Aber die Rhetorik passt ins Bild der Schlagzeilen bei den öffentlich-rechtlichen Newstickern:

Vor Wochen hieß es da: "US-Institut befürchtet weniger Corona-Tote." Fand ich amüsant genug, um es eine halbe Stunde später jemandem zu zeigen - da war dann "befürchtet" durch "erwartet" ersetzt.

Neulich dann las ich: "Kontaktsperre bis 10. Mai." Ich war äußerst überrascht, suggeriert das doch, dass die Kontaktsperre nur noch bis dann gilt und anschließend aufgehoben wird. Gemeint war natürlich: "Kontaktsperre verlängert bis (mindestens) 10. Mai."

Täglich gibt es die Überschrift "Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland gestiegen." Doch keine Panik: Sinken kann diese Zahl nicht. Und die eigentliche Information besteht seit Wochen darin, dass sie im Vergleich zu vorher nur leicht gestiegen ist. Dazu muss man sich aber die Zahl vom Vortag gemerkt haben und den Text lesen.

Irgendwann werde ich das alles bestimmt amüsant finden können...

Unüblich für diese Jahreszeit, wohne ich noch nicht auf Paula, sondern weiterhin in meiner Wohnung. Nach einem wolkenverhangenen Tag mit Regen- und Hagelschauern haben wir jetzt strahlend blauen Himmel. Die Ulmen vorm Haus treiben momentan aus, die Rinde und die frischen Blätter leuchten hübsch im Licht der Abendsonne. Die Nistkästen, die mein Vermieter angebracht hat, sind eigentümlich leer, aber wenn ich vor die Tür gehe, zwitscher und zwatschert es emsig aus allen Richtungen. In dieser gleichen romantischen Abendstimmung kuscheln jetzt meine geliebten Boote, die nach und nach einen ganzen kleinen Hafen erobert haben, und vermutlich ereifern sie sich augenzwinkernd über den Skandal, dass ich noch gar nicht ihre Masten angekarrt habe. Gerne läge ich jetzt mit Paula und Oli und Martha und Salty und Frieda und noch einigen Freunden in irgendeiner dänischen Bucht vor Anker. Wenngleich das vorläufig noch nicht geht, ist es doch immerhin wieder vorstellbar....


März 2020
Zwangspause
Neulich schien so etwas noch undenkbar, jetzt habe ich mich notgedrungen schon fast daran gewöhnt: Paula und ihre Schwestern bleiben vorerst in der Halle. Kein Hafenleben, keine Chartergäste, kein Segeln. Anderen geht es viel schlechter, aber was mache ich mit dieser Information? Soll sie mich trösten? Muss ich ein schlechtes Gewissen haben?

Wenn der wichtigste Lebensinhalt Zwangpause hat, muss die Zeit gefüllt werden. Wir machen das so:

BOOTE EINSOMMERN
Je nachdem, wie lange uns das Virus im Griff behält, wird früher oder später Trockenheit zum Thema jeden Holzbooteigners. Martha und Frieda sind schon versorgt: Man nehme eine Rolle PE-Baufolie (2 Meter breit), eine Rolle Klebeband, zwei Maurerbottiche und jede Menge Wasser. Die Folie wird einmal ringsum geklebt, auf Wasserlinie oder knapp darüber. Die Bottiche kommen unters Boot, das Wasser in die Bootiche, und dann sollte die Verdunstung für ein schön feuchtes Raumklima sorgen. Das Schiffchen wird sich wohl fühlen, besser jedenfalls, als wenn ihr das Wasser in die Bilge kippt und nach und nach alles anfängt, schimmelig und spakig zu werden.

WEITERBILDUNG
Das Internet ist ja nun voll mit guten Ratschlägen von Leuten, die selbst keine Ahnung haben - das Motto: "Hab ich noch nie ausprobiert, aber ich zeig euch jetzt mal, wie man das macht." Zu den rühmlichen Ausnahmen gehört Nobel-Hobel - von dem kann man echt einiges lernen über den Einsatz von Oberfräse, Kreissäge etc. Man muss ja nicht gleich die gedrehte Hohlkehle nachbauen...

LEKTÜRE
Endlich mal wieder Zeit zum Lesen? Hab ich bisher noch gar nicht gefunden, die verregneten Langeweiletage kommen womöglich noch. Aber ich habe einen Tipp für alle, die zur Abwechslung mal etwas weder über Corona, noch übers Segeln lesen möchten: Meine eigenen Kurzgeschichten.


Januar 2020
"Hör auf, besser wird es nicht mehr!" - arbeitsreiches Winterquartier
Unser Winterlager-Blog schmückt sich in weihnachtlichem Keks-Design. Seit jenen besinnlichen Tagen hat die "Hochzeit" stattgefunden, soll heißen: Olieses Ballast ist mit neuen Kielbolzen wieder montiert. Paula und ich haben erfolgreich mit der Sommermode 2020 experimentiert. Marthas und Friedas Außenhäute sind schon endlackiert, die beiden machen in Bootsbauromantik. Salty hadert noch mit der Verschraubung ihrer neuen Motorhalterung. Aber das ist eine ganz neue Information, das unglückselige Loch habe ich eben erst gebohrt.

Oktober 2019
Ach! Ach! Ach! Es war toll! Jetzt können wir aufhören.
Korshavn Anfang Oktober: Nordost 7, es ist bannich kalt, mit der Dunkelheit setzt früh eine gewisse Bettschwere ein. Na gut, ein Bier trinke ich noch. Auf Pommery, mit Erik und Karsten. Auf Oliese ist schon Nachtruhe. Das Wasser steigt und steigt, beachtlicher Schwell läuft in die Bucht - die Boote liegen ruhig und rollen nur ein wenig, aber drei Meter hinter den Hecks ist der Teufel los. Total cool, nochmal unterwegs zu sein. Die Anderen zu treffen. Den idyllischen Hafen haben wir, wenig erstaunlich, für uns. Ich hätte auch entspanntes Schönwettersegeln genommen, aber als es jetzt derart schnelle Reisen werden, bin ich damit erheblich besser zufrieden. Und freue mich auf den Morgen, an dem uns bei reichlich Sonnenschein das Gepuste einen ausgiebigen Landgang verordnen wird. Ich habe wirklich lange gegrübelt. Die Windprognose schwankte von Tag zu Tag zwischen einer Spur zu viel und einer Spur zu wenig. Am Feiertags-Donnerstag habe ich beschlossen, Freitagmorgen loszusegeln, und auch gleich noch Olieses Crew eingeladen, uns zu begleiten. Pommery lag da schon in Marstal. Erik schlug Drejø vor, aber DMI kündigte 90 cm Hochwasser an, bei denen es im Gamle Havn nasse Füße gäbe. Morgens ist in der Schlei kaum Wind, ansonsten ist Südost vier, zunehmend fünf, strichweise sechs die aktuelle Prognose. Aber wir haben ja beschlossen, auszulaufen, also tun wir es auch. Wir motoren zur Brücke, brauchen dann noch eineinhalb Stunden bis Schleimünde. Besser gesagt: Das gilt für Paula. Wir gehen als erste durch die Brücke, das sind die ersten zehn Sekunden Vorsprung. Beim Segelsetzen bin ich geübter, das sind die nächsten zwanzig Sekunden. Bis Rabelsund kommen wir jedes Mal zuerst aus der Abdeckung in die stärkere Brise, das sind die nächsten drei Minuten. Warum Oli nie wieder ein Stück aufholt? Ihr Antifouling ist von einem anderen Hersteller, Paula hat von einem günstigen Restposten aus dem Hause Hempel profitiert. Es lässt sich schon erahnen, dass da deutliche Unterschiede im Bewuchs sind. Also auch in der Qualität. Zu dumm, dass wir uns schon mit Olis Antifouling für den Winter eingedeckt haben...

Kaum liegt der Leuchtturm achteraus, kommt Wind auf. Paula saust los mit sechs Knoten, bald werden es sieben. Deutlich größere Yachten, deren Länge doch jetzt ein erheblicher Vorteil sein müsste, kommen ganz allmählich auf. Kurz vor Skjoldnæs ziehen sie mühsam vorbei. Paula ist schnell! Von Oli: nix mehr zu sehen. Hinter Skoldnæs müssen wir Höhe laufen. Es wird eine nasse Angelegenheit, aber so entspannt, wie es bei sechs Windstärken nur sein kann. "Schade, dass es schon zuende ist", schreibe ich ins Logbuch, als der Hafen in Sicht kommt. Schleimünde-Korshavn in exakt vier Stunden - das ist rekordverdächtig.

Morgens pustet es weiterhin kräftig, die Sonne scheint. Ich bin früh munter und mache Fotos von den kleinen Stegen für die Lüttfischerboote, wie sie fast unter Wasser stehen und von der Brandung eingedeckt werden. Als wir vom zweistündigen Wald-und-Wiesen-Spaziergang zurückkommen, hat es einen von ihnen komplett zerlegt. Der Wind hat sich beruhigt. Pommery läuft aus, Ziel Eckernförde. Oli und Paula segeln nachmittags nach Ristinge. Unterwegs ist meine Sorge, der Wind könne einschlafen. Tut er nicht, wir bleiben schnell und erreichen das Ziel lange vor der Dämmerung.

Der Rückweg nach Arnis - nie ein schönes Erlebnis, weil wir doch vom ewigen Segeltörn träumen - verläuft zügig und halbwegs kurzweilig. Der Zander in der Fährschenke schmeckt vorzüglich. Besser kann es dieses Jahr nicht mehr werden. Gegen vierzehnhundert Seemeilen ist absolut nichts einzuwenden, vor allem, weil die allermeisten davon ein echtes Erlebnis waren und nur wenige unter Motor zurückgelegt wurden. Die überwältigende Mehrheit der Charterer war zufrieden bis begeistert, und ökonomisch betrachtet war es bisher die beste Saison. Die Kohle ist ja aber nicht alles - wir hatten einige Reparaturen, und Martha freut sich seit Wochen auf die endgültige Beseitigung ihrer Leckage, aber wir behielten das im Griff, es gab keine Ausfälle. Parallel zu unserem schönen Absegeltörn hatte Salty drei Generationen an Bord, und alle drei - einschließlich dem siebenjährigen Seepferdchen - wollen jetzt unbedingt wegen nächstem Jahr telefonieren.

Paula und ich sind bester Stimmung, hören jetzt noch abends ein bisschen Musik und genießen das Leben, während ich den Charterbooten einige Upgrades aufspiele und ihre Ausrüstung in Sicherheit bringe. Irgendwann packen wir dann ein und verkriechen uns ins Winterlager - und freuen uns auf die kommende Saison.




September 2019
Nochmal perfekte Segeltage

Wochenlang lag Paula auf der Lauer. Doch wann immer ich ein paar Tage Zeit hatte, war es zunächst pustig oder flautig, und was übrig blieb, lohnte nicht mehr für einen ernstgemeinten Ausflug nach Dänemark. Ich vertrieb mir die Zeit mit Probeschlägen mit Frieda und Oli, denen ich neue Upgrades aufgespielt hatte. Als der Monat sich schon dem Ende näherte, ergriffen wir gleich zweimal hintereinander die Chance zu einem gelungenen Ausflug.

Zunächst begann das beinahe unspektakulär, aber höchst verheißungsvoll, mit einer weiteren samstäglichen Verabredung mit Lovis und Pommery in Schleimünde. Nun hatte ich das seltene Glück, nur schnell Freitagvormittag eine Bootsübergabe zu haben und dann erst wieder Sonntagmorgen zu zwei Tagen Skippertraining in Arnis sein zu müssen. Salty erledigte die Begrüßung ihrer Gäste selbständig. Paula und ich brauchten nur die Frage zu klären, wo es hingehen sollte: Einfach nur nach Schleimünde schien uns bei endlich mal wieder vernünftigem Wind zu kurz.

Wir entschieden uns für das Naheliegende: Wir holten Lovis in Kiel ab. Neben einem neuen Hafen bedeutete das gleich ein neues Revier - bisher hatten wir es nicht weiter als Laboe geschafft. Freitag um zwölf legten wir ab und schlugen uns unter bedecktem Himmel mit ruppigen Böen herum. Schon vor Bülk hatte ich die Seekarte auf dem Schoß liegen und suchte Tonnen. Ein genauerer Blick in die Karte offenbarte allerings: Da liegen zwar lauter Steine herum, aber auf sieben Meter Wassertiefe! Dem Beispiel anderer Segler folgend, orientierten wir uns gefahrlos dicht am Leuchtturm Bülk. An der Kieler Förde scheinen mir drei Dinge bemerkenswert: Die vielen Anspielungen an die Marinevergangenheit - da bin ich raus, ich finde es falsch, Schiffe zu versenken, worin der einzige Sinn der Marine, der U-Boote und der Tirpitz besteht. Dann verliert man hier nach kurzer Eingewöhnung die Angst vor der Großschifffahrt, nicht aber den nötigen Respekt. Und schließlich ist es ein mal interessantes Revier, von dem ich vermute, dass es genau wie die Schlei bald seinen Reiz verliert und überwiegend ls nerviger, unvermeidlicher Zugang zum eigentlichen Ding, nämlich der Ostsee, verkommt. An diesem Freitag jedenfalls genoss ich es, viel zu gucken zu haben und vollständig ausgelastet zu sein.

Folkeboot Lovis schien sich nicht besonders für den Überraschungsbesuch zu interessieren. Also machte ich uns per SMS bemerkbar. Es endete in einem extrem langen Abend bei Familie Lovis zu Hause. Für den Samstag war Westwind, danach Flaute, irgendwann Ostwind angekündigt. Das sprach eigentlich für einen frühen Aufbruch, weil unklar war, wann die Flaute kommen und wie lange sie dauern würde. Ich stellte mir den Wecker - um neun Uhr gähnte ich am Steg, Paula war segelklar. Es fehlten nur noch die Freunde. Paula und Thorsten kamen dann gegen halb elf, hatten aber die Pinne im Heizungskeller vergessen und mussten nochmal los. Kurz nach elf liefen wir endlich aus.

Wir kamen, gelegentlichem Schwächeln des Windes zum Trotz, ziemlich gut voran. Die Flaute erwischte uns vor Booknis und dauerte dreißig Minuten, in deren Verlauf sich Pommery aus der Eckernförder Bucht kommend zu uns gesellte. Wir hatten ja schön auf sie gewartet, dann ließen wir sie stehen und sausten mit dem Ostwind, enstpannte drei Windstärken, wieder los. Als zum dritten oder vierten Mal Lovis in unserem Windschatten verharrte, stellte ich fest: "Die beiden wollen einfach nicht nebeneinander hersegeln." Tatsächlich schafften wir das nur punktuell - ansonsten setzte sich Paula immer wieder ein paar hundert Meter ab, dann kam Lovis wieder auf, und wieder von vorn. Einmal lag das daran, dass ich den Unterliekstrecker vollständig löste. Ansonsten ergab es sich einfach von selbst. Paula ging Ruder und antwortete: "Pommery hat heute überhaupt keine Lust." Ja, der rote Blitz hielt sich raus, während Paula und Lovis nicht und dann doch und dann wieder nicht einträchtig nebeneinander fuhren. Vermutlich wusste sie schon, dass ich nach der kurzen Nacht keine Lust auf großangekündigtes, aufwändiges Kochen haben würde - die Zutaten für die unkomplizierten Wraps hatte ja sie an Bord.

Außerdem ergab sich eine passige Staffelung: Schleimünde war in gewohnter Weise voll, das heißt, Lovis fand uns einen Platz. Diesmal in der Puzzelecke zwischen dem kleinen Steg und der Meno-Brücke. Wir warteten an dem Pfahl, den wir zum Segelbergen genutzt hatten, bis Lovis fest war, dann verholten wir - und im nächsten Moment segelte Pommery an den gleichen Pfahl. Folkeboot Lill war schon da, M25 Josefin kam später auch noch. Diese Aufzählung lässt wohl schon vermuten: Es wurde ein weiterer gelungener, geselliger Abend.

Das Skippertraining mit Salty war ein bisschen bemerkenswert, auch wenn ich mich hoffnungslos übermüdet durchschlagen musste: Am Montag kreuzten wir bei Ost 5-6 zur Ostsee. Der Verschleiß an Rudergängern war erheblich, am Ende saß ich selbst an der Pinne. Aber alle haben ne Menge gelernt.

Dienstag ging es dann also los: Nochmal nach Dänemark. Die Gastlandflagge hing ja schließlich noch. "Es soll doch so schlechtes Wetter geben", hielt mir vorm Ablegen noch jemand vor. Sah ich anders: Ein bisschen Regen im Hafen? Hurra, super Kuchenbudenwetter! Dafür war aber vernünftiger Wind um die vier Beaufort zu erwarten, ein willkommener Kontrast zu den letzten Wochen. Es ab bemerkenswert wenig zu sehen - wenn wir nicht in Wolken segelten, war es meistens diesig. Aber diese melancholische Stimmung hat durchaus etwas für sich, und die Freude ist um so größer, wenn dann doch die Sonne durchkam. Auf Lyø sagte mir jemand, es müsse doch hart sein, in dieser Jahreszeit auf so einem kleinen Boot zu segeln. Ich blieb höflich, wies nur darauf hin, dass die Lufttemperatur für uns alle identisch sei. Eure Sprayhood möchte ich gleichwohl nicht haben. Ich will mich nicht abschotten, sondern genießen!

Der erste Tag war der Wackelkandidat: Ein enttäuschend schwachbrüstiger West brachte uns immerhin aus der Schlei. Dann warteten wir gemeinsam mit Zuversicht in der Flaute auf den Ostwind. Die Zuversicht ist der einzige Marstalschoner unter deutscher Flagge, und Skipper war Matthias, ein Charterer von vor Jahren - eine schöne Art, sich mal wieder zu sehen. Das Warten lohnte: Als er kam, war es schönstes Segeln. Lyø war das erste Ziel. Am Mittwoch segelten wir nach Barsø - und erkundeten noch einen neuen Hafen, von dem alle momentan so schwärmen. Fazit: Sie haben recht. Die Insel im Ganzen muss auf meinen Besuch noch warten, denn abends regnete es, so dass ich mir die Zeit mit dem Brutzeln von Kartoffelpuffern vertrieb, und morgens brauchte ich so lange zum Putzen, dass wir danach dringend auslaufen mussten, galt es doch, nach Sønderborg zu kreuzen. Außerdem kam Amazone aus der Genner Bugt, und ich wollte die Gelegenheit nicht auslassen, mit Sönke zumindest unterwegs ein paar Worte zu wechseln, wenn wir uns schon mal wieder nicht im Hafen trafen. 

Im Als Sund kreuzte auch die Mythilus - von Weitem sah das eher so aus, als führen sie auf der Stelle hin und her. Wir überholten mühelos, später hieß es, die Crew sei nicht eingespielt. Nun, sie hatten in dieser lehrreichen Stunde sicher Gelegenheit, sich einzuspielen. Ich bin jedenfalls froh, dass bei uns eine Wende nur Sekunden dauert. Und dass wir zwischendurch Höhe laufen und nicht im Wesentlichen seitwärts vertreiben. In Sønderborg lagen wir seit Jahren erstmals wieder direkt vorm Schloss im Stadthafen. Schwell, Lärm, prekäre Fendersituation - es ist immer wieder unerfreulich. Wobei man sagen muss, dass der Hafenmeister mich morgens einlud, nächstes Mal an dem neuen Schwimmsteg anzulegen, den sie extra für kleine Boote angeschafft haben. Der Rückweg war ein Rennen mit drei Traditionsseglern: Albatros und Seute Deern holten wir leicht ein, obwohl sie wesentlich früher gestartet haben. Johann Smidt ist richtig schnell. Dafür aber kein richtiger Traditionssegler, modernes Rigg, hochgetakelter Besan, insgesamt ein hässliches Schiff. Aber eben ein zweckmäßiges. Seute Deern: Eine Schönheit. Aber wir konnten uns sogar erlauben, uns in eine bessere Fotoposition zu segeln, um nach dem Knipsen doch zu überholen.

Ach ach, jetzt ist das schon wieder so lang und ausführlich geworden. Es waren doch nur einmal fünfzig und einmal knapp hundert Meilen. Aber Paula und ich waren richtig in unserem Element, haben fast alles umgesetzt, was wir dieses Jahr gelernt haben, durften jede Meile zutiefst genießen, und ich hatte nicht ein einziges Mal das Gefühl, jetzt endlich irgendwo ankommen zu wollen, sondern hätte, wenn es nicht so früh dunkel würde, noch Stunden weitersegeln wollen. Da wird man sich ja wohl mal seiner Euphorie hingeben dürfen...

August 2019
Was Paula will, möchte Paula auch: Zweimal samstags nach Schleimünde
Freitagabend kommt eine SMS von Erik: "Morgen Schleimünde mit Lovis?" Das ist genau, was wir zwischen zwei Bootsübergaben am Samstag und einem Skippertraining am Sonntag brauchen. Das Wetter - sommerlich warm bis heiß, leichter bis mäßiger Ostwind, Sonne satt - verlangt geradezu nach einem Ründchen segeln. Ich sage zu. Aber nicht, ohne mich am Sonntagmorgen bei Paula* zu vergewissern, ob die Information auch wirklich stimmt. Die ist vormittags noch bei einem Reitturnier, Lovis wird nicht vor neunzehn Uhr eintreffen. Das wiederum passt mir gut, ich muss noch Einkaufen, Abwaschen, Aufklaren, die Kuchenbude abbauen... - wir schaffen mit Vollgas die Brücke um Viertel vor fünf. Da ist Pommery schon auf Höhe Olpenitz.

*Regelmäßige Leser kennen sie schon, die beiden Paulas: Die eine ist mein geliebtes Boot, die zweite gehört zu Lovis' phantastischer Familiencrew. Auch wenn es auf Kosten der Lesbarkeit geht: Sie heißen im Text beide so, wie sie heißen.

Ost zwei bis drei ist nicht optimal für jemanden, der es eilig hat. Haben wir ja nicht. Wir kreuzen entspannt die Schlei auf, treffen Pommery, und dann beschließen wir, Lovis entgegenzusegeln. Zwei Yachten, definitiv keine Folkeboote. Einen Traditionssegler. Und dahinter einen weißen Fleck. Nur dieser interessiert uns. Er wird größer. Nimmt allmählich dire Silhouette eines Segelbootes an. Eines Folkebootes. Und zwar nicht irgendeines Folkebootes. Sondern unserer geliebten Lovis.

Paula, Henri und Thorsten freuen sich riesig über das Empfangskommittee. Paula geht Ruder, die Boote leuchten in der Abendsonne um die Wette. Der contest besteht schließlich offenbar darin, wer das Einlaufen in den vollen Hafen am längsten hinauszögern kann. "Ich finde, Erik soll sich mal um Liegeplätze kümmern", rufe ich zu Lovis rüber. Wir liegen schließlich im Päckchen in zweiter Reihe. Der Innenlieger ist nicht begeistert, als die Kinder ins Cockpit steigern, während das Abendbrot auf dem Tisch steht - "Da in der Mitte dürft ihr auf keinen Fall rauftreten, das hält nicht", gibt er deutlich zu verstehen. Thorsten erkundigt sich nach Paulas Schlauchboot: "Ich würde es auch aufpumpen." Machen wir gemeinsam und bauen unsere eigene Seilfähre direkt zum Steg.

Es ist ein perfekter, lauschiger und natürlich langer Abend. Sonntag legen wir dann doch mal endlich ab, noch bevor die Anderen frühstücken - ich muss ja arbeiten. Dienstag kommen die nächsten Gäste zur ganztägigen Einweisung, Mittwoch ist Flaute - die Segelwoche ist tüchtig geschreddert, und nachfolgend ist mit deutlicher Wetterverschlechterung zu rechnen. Da kommt die nächste SMS von Erik gerade recht: "Pommery will Samstag wieder nach Schleimünde." Klingt, als wären wir dort verabredet. Paula schreibt: "Lovis plant schon am Freitag zu kommen." Das scheitert letztlich an der Flaute, wir treffen uns also wieder am Samstag - dem voraussichtlich letzten Sommertag des Jahres. Brütende Hitze, aber ein vernünftiges Brischen von 3-4 aus Ost.

Pommery holt uns in Arnis ab. Erik geht duschen, während ich die letzten Charterer einweise, dann springen wir an Bord und legen ab. Lovis ist unterdessen vor uns in Schleimünde - und kommt uns ein Stück entgegen. Wir treffen uns vor der Hafeneinfahrt von Maasholm. Lovis reiht sich ein zwischen Pommery und Paula, jeweils drei, vier Bootslängen trennen denn Pulk - Auftakt zu einem spektakulären und absolut filmreifen Furioso. Eines, das wir nur zum Besten geben können, weil von vornherein klar ist: An jeder Pinne sitzt jemand, der sich und sein Boot absolut im Griff hat.

Was machen wir nämlich? Wir kreuzen nach Schleimünde. Dicht an dicht. Wer die Schlei nicht kennt, hat leider keine Vorstellung, was das bedeutet, und es lässt sich auch kaum in Worte fassen. Vereinfacht gesagt ist da einfach mal wenig Platz zum Kreuzen. Zu beachten gilt es: Den Verkehr, der platt vorm Laken segelnd oder gegenan motorend dem Fahrwasser folgt - und am laut Prognose letzten Sommernachmittag des Jahres sind wirklich alle unterwegs. Ein Ausflugsdampfer gehört auch noch dazu. Dann die Tonnen. Die Wassertiefe. Und jetzt auch noch die beiden anderen Folkes. Ich kenne nicht allzu Viele, die hier eine Kreuz überhaupt in Erwägung ziehen - standardmäßig wird motort.

Das haben wir vorher nicht abgesprochen. Aber jetzt ist es spontan völlig klar. Ich spüre, dass es den Anderen genauso geht wie mir: Riesenfreude über das Abenteuer. Adrenalin pur und volle Konzentration. Und hinterher werden wir allenfalls ganz dezent andeuten, dass diese zwei Meilen nicht ganz alltäglich waren. Pommery hat kein Echolot, das ist ein Handycap: Erik kann die Schläge nicht voll ausfahren. Aber er kurvt sich wacker durch. Auf der Lovis geht Thorsten Ruder. Henri und Paula lassen wie ein Uhrwerk die Fockschoten über die Winschen rasseln. Diese Eingespieltheit ist schön zu beobachten, die Kinder sind zehn und dreizehn und ziehen hier die spektakulärste Nummer durch, die man an einem Segelnachmittag haben kann. Paula und ich? Stoisch wie immer.

Wir passen aufeinander auf. Wenn Paula wendet, weil das Wasser knapp wird, wendet Pommery neben uns auch. Wir segeln nicht nach Regattaregeln oder KVR - wer wendet, egal auf welchen Bug, fällt bei Bedarf so weit ab, dass das Boot einen Meter hinter dem Außenborder des anderen Bootes durchgeht. Wir segeln miteinander, nicht gegeneinander. Als Lovis vor uns unvermittelt einen Aufschießer fährt, während wir sowieso gerade aufkommen, mache ich die Großschot auf, erkundige mich kurz: "Was macht ihr?" und reihe mich hinter ihr wieder ein. Komplett störungsfrei läuft es nicht: Eine Fahrwassertonne sehe ich hinter der Fock erst auf die letzten fünf Meter und kann gerade noch anluven, um ihr auszuweichen. Als ich kurzzeitig das Echolot ignoriere, fahren wir die nächste Wende auf 1,40m Wassertiefe. Einen Schlag fahren wir in Richtung eines Angelbootes, fahren ihn auch schön lange aus, weil die Bö so günstig ist. Während Paula schnittig durch die Wende geht, pöbelt der Angler etwas von "Ich besorg mir ne Knarre. Dann könnt ihr was erleben!"

Da hat Paula längst beschlossen, dass ihr die Sache hier zu eng und zu heikel ist, und hat die anderen einfach mal überholt. Auch das war nicht geplant, aber ich bin auch nicht traurig darüber. Hinter wendet Lovis knapp vor dem gleichen Angelboot. Der Angler, vermutlich überwältigt davon, dass ihm jetzt sogar Kinder seinen Butt verscheuchen, schweigt. Ansonsten fahren wir klar erkennbare, punktgenaue Manöver, und ich behaupte: Wir behindern trotz reichlich Verkehr kein einziges Boot mit Wegerecht. Zu dumm, dass wir vergessen haben, den Kameramann zu engagieren.

Schleimünde ist natürlich voll um siebzehn Uhr an diesem Traumtag. Schleimünde ist aber nie rappelvoll in der Art, wie andere Häfen rappelvoll sind. Schleimünde lebt und atmet. Da legt dann auch mal jemand um siebzehn Uhr ab, um nach dem Kaffeekränzchen wieder nach Hause zu fahren, und sofort stürzt Paula sich mutig auf diesen Platz mit Stegzugang. Lovis und Pommery machen es sich hinter unserem Heck gemütlich. Pommery legt zunächst gegenüber an einem Pfahl an. Erik macht das gerne so: In aller Ruhe schonmal die Segel packen, und dann durch den Hafen treiben, unterstützt von kräftigen Schwüngen an der Pinne. Er kann das richtig gut. Auch wenn er kein Hamburger ist - wenn man einen echten Hamburger Segler kennenlernt, ist das erste Gesprächsthema immer das Wriggen. Erik hingegen redet nicht darüber, sonst macht es. Paulas sarkastischer Unterton ist gleichwohl unüberhörbar, als sie sagt: "Da kommt Erik angewriggt." Das hier ist ihre bunte, harmonische, leicht sarkastische Abenteuerwelt. "Hallo Paula", sagt sie versonnen, als sie über mein Boot an Land steigt.

Natürlich gibt es eine Menge Hafenkino und spätabendlich Wetter live, als nach all dem Wetterleuchten plötzlich Wind aufkommt. Ich raffe bei den ersten Regentropfen Paulas Kuchenbude aus der Vorpiek, Erik und ich verkriechen uns darunter und harren noch bis drei Uhr aus, während es blitzt und donnert und pustet wie der Teufel. Inzwischen aber aus Südwest, wir liegen ruhig und sicher vor Schwell.

Thorsten sagt noch so etwas Tolles: Es beruhige ihn zu wissen, dass er mit Erik und mir auch in zwanzig Jahren noch auf dieser Bank da drüben sitzen und auf die Schlei gucken könne.


August 2019
Ein ereignisreicher Sommer
Es ist eine Menge passiert: Vier Wochen Sommerreise nach Kopenhagen und Anholt begannen damit, dass Paulas Vor-Vorbesitzer im Cockpit saß. Später kontrastierten Flaute und "das Andere". Nach der Reise richteten wir uns für sechs Wochen in Svendborg ein - ein aus meiner Sicht vollauf geglücktes Experiment. Fast sechs Wochen verzichteten wir auf die Benutzung des Außenborders. Natürlich nahmen wir auch wieder an der Svendborg Classic Regatta teil - Paula und ich sind richtig schnell geworden. Die Tage davor verbrachten wir zusammen mit Lovis, Pommery und Havfruen - dieser gemütliche Flottillentörn ohne Charterboote und Verantwortung fühlte sich wie ein richtiger Urlaub an.

Mehrere Erfolgserlebnisse: Sommerreise Teil 1

Halber Wind reicht: Sommerreise Teil 2

Die Flaute und das Andere. Mit Grenaaer Woche: Sommerreise Teil 3

"Dragonfly? Is it fast?" Sechs Wochen Svendborg


Mai 2019
Folkeboot-Treffen 2019
Folkeboote - sind das nicht diese segelnden Superheldinnen, die ihre erstaunlichen Superkräfte fernab der Welt des Comics, sondern im wirklichen Leben aufs Wasser bringen? Zumindest nutze ich sonst jede Gelegenheit, es so darzustellen. Doch diesmal soll vorwiegend von Menschen die Rede sein: Von Folkebootseglern, und von dem, was sie verbindet und was sie gemeinsam auf die Beine stellen. Zum Beispiel das Folkeboot-Treffen 2019.

Mai 2019
Wie die Feuerwehr: Flottillentörn 4.-10. Mai 2019
„Oli lässt fragen, ob ein Boot Ehrenmitglied bei der Feuerwehr werden kann. Sie findet nämlich, Feuerwehrleute haben’s drauf. Und außerdem findet sie – völlig zu Recht: Sie hat es auch drauf. Und das passt doch so gut zusammen.“ Joe schmunzelt, als ich ihm die Gedanken, die mein Boot mir zukommen lässt, in Worte fasse. „Oliese hat es wirklich drauf“, bestätigt er. Und Robin ergänzt, er werde sich mal erkundigen, was sich da machen lässt in Sachen Ehrenmitgliedschaft.
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April 2019
Martha als Erste
Martha hatte die letzten Tage an Land bereits im Hafen verbracht. Am 1. April, dem ersten möglichen Krantermin, war sie morgens reichlich vereist und fand, sie wolle nun zu Wasser. An Land sei es zu kalt. Also schwebte sie als erstes Boot in den noch leeren Hafen. Um zwölf Uhr schwammen auch ihre Schwestern.

Inzwischen - zu Ostern - ist das gefühlt schon lange her, die Saison hat begonnen, es ist, abgesehen von den frühen Morgenstunden, schon angenehm warm. Und das erste Saisonhighlight ist nur noch einen Monat entfernt: Marstalschoner "Bonavista" ist sieben Jahre nach der Restaurierung des Rumpfes endlich segelklar - das muss gefeiert werden. Und zwar am 18. Mai. Paula wird sich das nicht entgehen lassen.

Programm

Oktober 2019
Herbst - Zeit der knackigen Äpfel. Der einsamen Häfen. Und der verschlossenen Werfttore.

Wir sind im Winterlager. Es muss erwähnt werden, dass das Kranen in scharfem Kontrast zum letzten Jahr diesmal eine ziemlich entspannte Angelegenheit war. An dem Diesntag mit dem Sturm haben wir es einfach nachgelassen. Da standen aber drei von fünf bereits an Land.

Die ersten Arbeiten für den soften Einstieg: Reitbalken für Oli und Martha angefertigt, nicht ohne beim Einbau Schäden zu entdecken, die gleich behoben werden wollen.

Winterarbeits-Blog

Oktober 2018
Folkeboot-Treffen 2019
Wir machen jetzt Folkeboot-Treffen 2.0: Alles genauso, nur anders. Mike, Katja und ich wollten die bisherige Arbeit und Verantwortung so nicht mehr haben, Nachfolger aus dem Kreis der regelmäßigen Teilnehmer fanden sich nicht. Also dachten wir uns: Auch gut, dann findet das Treffen eben trotzdem statt. Dass es niemand organisiert, bedeutet: Wir liegen wie immer an der Kranplatte, und es gibt auch einen Grill, den wir benutzen dürfen. Für Speisen und Getränke sorgt jeder selbst. Musik gibt es nur, wenn jemand seine Klampfe mitbringt.

Vielleicht ist das um so charmanter: Wir tauchen ein in die Wunderwelt des individuellen Bordlebens. Michael und Udo haben das in der Ausstellung ja schon schön festgehalten: Jeder zelebriert seinen Folkeboot-Alltag auf andere Weise. Zwischen kreativem Chaos und penibler Ordnung. „Weniger Meilen, besser essen“, „Zu trinken hab ich nur Champagner“, „Mist, die Tütensuppen sind alle“ - wie lautet euer Motto? Wir sind gespannt. Eine Regatta vorweg soll es unbedingt weiterhin geben - hier wird noch ein Verantwortlicher und Organisator gesucht, aber für diesen überschaubaren Aufwand sind wir optimistisch. Einziges Manko: Der oder diejenige wird nicht teilnehmen können.

Kaum habe ich das geschrieben, melden sich die Freiwlliigen. Mal sehen, was daraus wird.

Also dann, der Termin steht fest: Wir treffen uns am Samstag, 25. Mai, gegen 13 Uhr wie gewohnt in Arnis an der Kranplatte. Der Rest liegt an euch.

September 2019
Saisonausklang?

Der Sommer endet am Fraitag, 21. September. Genau um 11 Uhr vormittags. Da nämlich kommt die Kaltfront. Mit ihr: Sturm, Regen und ein Temperatursturz um fast 10 Grad. Das Wasser fällt um einen Meter. Um so glücklicher sind Paula und ich über den vielleicht letzten Ausflug des Jahrs.

Es waren letztlich nur drei Tage. Schon am Montag war bestes Segelwetter - sonnig, warm, vier Windstärken. Doch da hatte ich mir noch ein paar Termine hingelegt und auf den Freitag als Rückreisetag spekuliert. Das war vor der Sturmwarnung. Wie letztes Jahr sollten wir Mike und Admiral Jacob bei ihrer Anreise zur Silverrudder begleiten. Als wir Dienstagmorgen ausliefen, stand meine Törnplanung bereits fest: Drejø Gamle Havn als Muss für den ersten Tag, von da nach Mjels Vig als gutem Ausgangspunkt für die Rücktour bei Südwest. Für Mike stand die Silverrudder bereits erheblich in Frage, manifestierte sich doch die Sturmwarnung, und auch gleich noch eine zweite für den anschließenden Montag - sollte er die Regatta überleben, käme er anschließend nur sehr verspätet zurück nach Hause. Reihenweise sagten andere Teilnehmer ab. Und wir machten es uns einfach ein bisschen nett.

Den Gamle Havn kannte Mike noch nicht. Entsprechend dankbar war er nach der Ankunft, dass ich ihn dorthin gelotst hatte. Wobei von lotsen nicht wirklich die Rede sein kann: Ohne Echolot musste er seinen Weg durch unbetonnte Flachs navigieren, während wir am Ende der vierzig Meilen eine gute halbe Stunde zurücklagen. Ich hatte schon länger den Eindruck, Paula sei langsamer, als sie sein müsste oder könnte. Jetzt bestätigte sich dieser Verdacht recht eindrucksvoll, aber dem Segelspaß tat das keinen Abbruch. Im Hafen lagen drei Motorboote aus Svendborg, doch die Crews tranken nur schnell noch ihr Bier zu Ende, torkelten an Bord und legten unter Getöse ab. Wir hatten den idyllischen Ort für uns allein - ein Traum in Laubgrün, Himmelblau und Mahagonirot.

Tag zwei begann mit dem Nervenkitzel, aus der Abdeckung in die Rinne zu segeln. Die Bäume produzierten erhebliche Turbulenzen, das Brischen kam aus sämtlichen Richtungen, manchmal aus zwei gleichzeitig: Die Fock schlug im Gegenwind, die Großschot war zu dicht für den Raumschotskurs weiter oben. Als wir das Gekräusel erreichten, zeigte sich der Grund: Mit satten fünf Beaufort sausten wir erstmal tierisch los. Wolkenverhangen, trüb, grau in grau - es war ein sensationeller Kontrast zum farbenfrohen Vorabend. Als wir Avernakø passierten, klarte es auf. Der Wind schwächelte. Eine Mordsdünung lief aus Süden heran. Es wurde stampfig. Und immer stampfiger. Bis zur Nordspitze von Als war es nur sporadisch schönes Segeln. Dann bekamen wir endlich, wonach Paula und ich uns gesehnt hatten: Südwest fünf bis sechs, irgendeine Form von Kreuzen war angesagt, aber endlich war es grandioses Segeln mit Schräglage, Spritzwasser und Speed. Admiral Jacob geriet außer Sicht - am Ende lagen wir eine Dreiviertelstunde zurück, aber Mike, der sich in vielen kleinen Schlägen in den Als Fjord kämpfte, jammerte, es sei richtig unangenehm holperig gewesen. Immerhin hatte er da seine Bestätigung, dass es richtig war, die Silverrudder ausfallen zu lassen: "Noch ein, zwei Windstärken mehr und dann auch noch nachts - das muss ich echt nicht haben." Paula fühlte sich pudelwohl: Der Wind drehte immer südlicher, von 280 Grad besserte sich unser Kurs auf 250, und das brachte uns an eine Untiefentonne südlich der Genner Bugt - dort fuhren wir die einzige Wende des ganzen Tages. Wir segelten zahlreichen größeren Yachten auf und davon. Leicht zu erklären: Die hatten sich bei dem schwachbrüstigen Wind und der Dünung für Vollzeug entschieden, jetzt wagten sie nicht, das Reff einzubinden und konnten überhaupt keine anständige Höhe laufen. Für uns war es genau der passende Wind. Begeistert legten wir an. Und weil es die Mjels Vig war, wo man immer nette Leute trifft, lagen neben Mike da auch Jonathan, Maria und Enno aus Arnis mit Vadderns 36-Fuß-Schiff, und später traf auch noch Wellenreiter ein.

Wellenreiter ist ein seltenes Exemplar von Kielschwertkreuzer, eine Art übergroßer Jollenkreuzer, liebevoll restauriert von seiner Eignergemeinschaft. Und weil die Eignergemeinschaft aus Speyer kommt und es durchaus versteht, das Leben zu genießen, wurden Jonathan und ich zu später Stunde noch mit pfälzischem Wein an Bord gelockt. Wir ließen uns gerne locken...

Der Nachhauseweg begann mit Regen, gefolgt von Flaute. Zehn Boote trieben mit einem Knoten durch den Als Sund, bis die Wellenreiter-Crew einen ernstgemeinten Versuch unternahm, die nächste Brückenöffnung zu schaffen: Sie warfen den Diesel an. Es war ein interessantes Schauspiel: Jedes Schiff, das sie einholten, begann ebenfalls zu motoren. Auch Paula. Obwohl mir bereits klar war, dass es zu spät war. Aber ich wollte ja nicht der blöde Klugscheißer sein, der einfach abwinkt und am Ende doch der Einzige ist, der die Brücke nicht schafft. So, wie es war, bekam Wellenreiter noch die offene Brücke zu sehen. Eine halbe Stunde Vollgas völlig umsonst? Wir hätten wohl auch für die nächste Öffnung ein Stück motoren müssen. Und eine Stunde Beiliegen vorm Alsion vergeht schneller, als man meinen könnte. Es war dann aber schon kurz vor drei, als wir aus dem Stadthafen Sønderborgs kreuzten. Auf Höhe Yachthafen machte es "flopp", die Segel hatten Druck, und bis Schleimünde war es Rauschefahrt mit um die sechs Knoten. Überflüssig zu erwähnen, dass der Wind dann wieder so weit abnahm, dass wir gleich die nächste Brücke verpassten.

Dann kam der Sturm und das Niedrigwasser - und ich konnte endlich deutlich sehen, was ich bisher nur vermutete: Als Paula stand und das Heck ein bisschen aus dem Wasser guckte, zeigten sich die Seepocken. Das wird uns nicht grundsätzlich davon abhalten, nochmal loszufahren, wenn das Wetter entsprechend ist. Aber vorläufig mache ich es mir unter der Kuchenbude gemütlich und treffe Vorbereitungen für die Winterarbeit. Es war eine tolle Saison, dieser letzte Ausflug eine wunderbare Abrundung - womit sollen wir das jetzt noch versuchen zu toppen?

August/September 2018
Wieder Zitronenkuchen. Und noch mehr Zauberkräfte.

Samkas Geduld ist beispiellos. Seit Jahrzehnten liegt das Schiff als Museumskümo in Marstal, unterbrochen von gelegentlichen Ausflügen, aber meistens gepflegt und unbewegt. Sie wirkt ruhig, verlässlich und unerschütterlich. Wir legen nicht unbedingt deswegen so gerne direkt vor bzw. unter ihrem Bug an, aber es wäre an sich schon ein guter Grund. Jetzt könnte man meinen, ihre Geduld und Ruhe seien ansteckend, wenn ich Oliese da so ankommen sehe: Äääääußerst laaaaaaangsam. Ich weiß, dass es nicht an Samka liegt - die Charterer lassen sich mit allem Zeit. Hektik kommt denen nicht an Bord. Es ist großartig. Zuverlässig wie Samka - ich kann, während Oli schon im Approach ist, in aller Ruhe die Segel zuende packen, und werde doch rechtzeitig fertig sein, um Leinen anzunehmen.

Kaum sind wir von der Schwedenreise zurück, geht es schon wieder auf Dienstreise. Allerdings nur für Paula und Oliese. Und mit diesen ruhigsten aller ruhigen Charterer ist es ein echtes Vergnügen. Wir haben uns nicht das schönste Wetter ausgesucht: Samstag Skippertraining ohne Wind und bei Dauerregen. Sonntag gerefft nach Marstal, und etliche Schauer ziehen vor und hinter uns durch. Montag Liegetag bei Gepuste Stärke 7. Mittwoch sollen wir schon zurück an die Schlei, denn Donnerstag reisen die Gäste bereits ab, und da sieht es auch nicht nach Schönwettersegeln aus.

Bleibt der Dienstag für einen schönen, gemütlichen, abwechslungsreichen Segeltag zwischen den Inseln. Wir entscheiden uns für den Weg durch Rudkøbing Løb und Svendborg Sund, mit Tagesziel Skarø. Beinahe wird nichts daraus: Oli legt ab, doch das Großfall ist mit dem dusseligen Radarreflektor unklar. Total verheddert, so lässt sich das Segel nicht setzen. Die Frage ist: Wie kommen wir da ran?

Mein Blick fällt auf die große Samka neben uns. Könnte gehen. Ich nehme Paulas Bootshaken, steige auf den Kümo, gehe zum Vorschiff, finde einen ins Schanzkleid integrierten Belegpoller, komplett mit Signalmastwant zum Festhalten. Oliese nähert sich. Zum Glück gewohnt vorsichtig, wir wollen hier ja keine Lackschäden hinterlassen. Auf dem Poller stehend, passt es haargenau: Der ausgezogene Bootshaken erreicht gerade so eben das Fall oberhalb der Jumpstagspreize. Binnen Sekunden ist es wieder klar. "Dank dir, Samka", rufe ich fröhlich. Und die alte Dame scheint froh zu sein, endlich mal wieder wirklich nützlich gewesen zu sein.

Nach diesem letzten, kleinen Flottillentörn des Jahres ist es aber auch gut mit Dienstreisen. Paula findet, wir brauchen Urlaub, und das Wetter bessert sich erheblich. Also laufen wir gleich wieder aus. Es sind unspektakuläre sechs Tage, aber Einiges ist höchst bemerkenswert. Zum Beispiel unsere Tagesdistanzen: Erst am letzten Tag, als es von Hjortø zurückgeht, legen wir mehr als 20 Seemeilen zurück. Drei Tage brauchen wir bis Ommel. Zwischenstopp in Ærøskøbing, den Zitronenkuchen genieße ich dann vor Anker im Lindelse Noor. Klingt alles wie im Frühjahr? Ist auch wieder genauso schön. Nur dass wir ins Noor diesmal waghalsig reingekreuzt sind - wir werden allmählich zutraulich. Auf dem Weg nach Hjortø knacken wir dann noch einen Rekord aus dem Frühjahr: In elf Stunden schaffen wir diesmal nicht 22 Meilen, sondern 12! Wer hätte gedacht, dass Paula einmal einen so geduldigen Menschen aus mir zaubern würde? Zauberhaft ist übrigens auch der Frühnebel.

Juli/August 2018
Ein wildes Abenteuer
Paula, wie war deine Sommerreise?

Wenn ich jetzt sage „grandios“, trifft es das nicht ganz. In Zahlen ausgedrückt waren es 784 Seemeilen an 42 Tagen, bei nur 3 Liegetagen und extrem wenig Motoren. Nicolas und wir Boote sind mit wechselnden Crews sechs aufregende, kontrastreiche Wochen lang durch die Gegend gesegelt. So lange haben wir das noch nie gemacht. Aber jetzt könnten wir ewig so weiterfahren!


Das hört sich ja toll an. Aber kannst du es ein bisschen genauer beschreiben?


Nein. Du hättest dabei sein müssen. Du hättest es spüren und fühlen und miterleben müssen. Dann, und nur dann, könntest du es nachvollziehen. Es war eine Schinderei für ein altes Boot, und gleichzeitig ein fast permanentes Glücksgefühl.

Ist denn gar nichts schiefgegangen?

Natürlich sind Dinge schiefgegangen. Was erwartest du? Auch das geht in Zahlen: Acht Grundberührungen. Zwei verbrauchte Lenzumpen, drei gerissene Vorsegel, zwei Wutanfälle und eine defekte Bordbatterie. Unser Timing war oft perfekt, aber einmal schlief der Wind beim Segelsetzen ein, und auf dem Rückweg waren wir nur fast rechtzeitig im Hafen. Anlegen an der Schäre war auch nicht jedes Mal elegant - ein unfreiwilliges Bad und zwei kleine Lackschäden war der Spaß wert!

Und was sagten eure Chartergäste?

Die sagten: „Wir hatten Zustände an Bord.“ „Raus aus der Komfortzone.“ „Ich habe meine Grenzen erlebt – und sie waren ganz woanders, als ich sie erwartet hätte.“ Meistens waren sie einfach sprachlos.




Deine schönsten Erlebnisse?


Hm. Die Wahl fällt schwer. Überhaupt mit meinen Schwestern nach Schweden gekommen zu sein. Dort bestaunt und bewundert zu werden. Im überfüllten Anholt einen ungestörten Platz für uns allein zu finden – sowas können übrigens nur wir fünf. Die erste Schäre – beim Anlegen hat keiner den Außenborder benutzt, und wer nicht dabei war, wird sich fragen: Geht das? Nicolas‘ vor Rührung leuchtende Augen anschließend beim Segelpacken.

Später sind wir ja noch Regatta gesegelt und hatten meine zwölfjährige Namensschwester als Taktikerin dabei. Nicht als "Nummerngirl", wie die Anderen gesagt hatten. Und wir sind aus der Dyvig gekreuzt. Wir waren uns einig, Nicolas und ich: Geht nicht, also machen wir’s. Denn ich bringe ihm ja gerade das Zaubern bei.

Ich könnte jetzt weiter aufzählen: All die improvisierten Anleger, wir haben ja öfter das Schlauchboot als Seilfähre benutzt. Das Gewitter vor Falkenberg. Die Kreuz im Stig Fjord. Oli bei mir im Längsseitsschlepp. Hach, und dann will ich noch sagen: Gleichberechtigt neben meinen schönsten Erlebnissen steht die Begeisterung der Charterer. Ganz egal, was die erwartet hatten – es kam ja ganz und gar anders. Und sie genossen es. Sie ließen sich darauf ein. Die haben erlebt, was sie vorher nicht mal ahnten – und das ist doch eine äußerst befriedigende Bilanz für mich. Die Veranstalterin. Sozusagen.

Jetzt fragen wir aber mal deinen Skipper, womit für ihn die Reise begann.

Oh ja, der hat lange geschrieben. Jetzt ist er zufrieden mit dem Törnbericht:
Teil 1 (Arnis-Marstrand)
Teil 2 (Marstrand-Odense)
Teil 3 (Odense-Arnis)
Doppelte Paula (Svendborg Classic Regatta)


Juni 2018
Zuhause, Zitronenkuchen und Zauberei

Paula kann zaubern. Überrascht euch das? Nein, den Zitronenkuchen hat sie nicht gezaubert, den habe ich beim Bäcker in Ærøskøbing käuflich erworben. Aber sie hat zum Beispiel die Idee zu dem Zwischenstopp dort in meinen Kopf gezaubert. Und vor allem hat sie für eine Woche gesorgt, in der wirklich alles perfekt gelang - und das, obwohl ich mir überhaupt nichts Konkretes vorgenommen hatte. Aber der Reihe nach - begonnen hat unser Ausflug in Marstal, wo wir auf die Schnelle einen inoffiziellen Museumshafen gründeten, und wo ich feststellte, dass ich mich hier am allerdollsten zu Hause fühle. Und dann gab es auch noch phantastische Neuigkeiten...

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Juni 2018

4 + 4 - Das intensivste Segeln überhaupt

Von vornherein steht fest, dass es eine außergewöhnliche Woche wird: Unterwegs mit vier Booten und vier Personen. Es beginnt mit einem spektakulären Gewitter, danach segeln die Charterboote stets gerefft. Wir befreien uns aus der Technikfalle, und dann erlebt Flensburg die Folkeboot-Invasion.

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Juni 2018
Ein ausgefallener Törn

Es kommt selten vor, dass ein Flottillentörn ausfällt. Paula und ich hatten also frei und nahmen uns vor, so lange, so weit, so viel und so schön wie möglich zu segeln.

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Mai 2018

4. Folkeboot-Treffen in Arnis, 26. Mai 2018
Bestes Wetter, fröhliche Stimmung - und Rekordbesuch: Nicht weniger als 30 Boote folgten diesmal der Einladung, von denen stolze 24 an der kleinen Jedermann-Spaßregatta ohne Startgeld, Preisverleihung und Ellenbogen teilnahmen. Abends lagen zeitweise neun Boote im Päckchen - so etwas hatte ich bis dahin noch nicht gesehen.
Man darf wohl sagen: Die Veranstaltung hat sich etabliert. Als Veranstalter danken wir fürs Kommen und die warmen Worte, die uns vor Ort oder hinterher per Mail erreichten. Das Treffen besteht weniger aus unserer Organisation als vielmehr aus euch, den Teilnehmern. Also den wunderbaren Booten und ihren Crews.

Nachbericht

Mai 2018
Drama-Queen Jane reist ab...
...allerdings nicht nach Stockholm, sondern zunächst ins Sanatorium Grödersby. Die alte Dame sollte eigentlich eine dreimonatige Reise unternehmen, mit Aaland-Inseln, Göta-Kanal und allem drum und dran. Erfahren, wie sie ist, trat sie im letzten Moment auf die Bremse: Als erster Dämpfer sauste auf dem Weg zur Folkeboot-Treffen-Regatta das Achterstag vom Mast. Nach dem Probeschlag am folgenden Tag lief die Bilgepumpe alle zwei Minuten, und so gab es gar nichts zu diskutieren: So kann Jane nicht nach Stockholm segeln.
Nun steht sie also erstmal in der beruhigenden Kühle der Grödersbyer Werft und lässt sich an Sponungen, Kalfaten, Steven und allem, was sonst noch nach neuralgischen Stellen aussieht, gründlich pflegen. Vorsichtige Prognose: Nach dreiwöchiger Verzögerung wird sie fit genug sein, um doch noch die lange geplante Reise antreten zu können.
Ist nicht immer so einfach mit den Booten - aber das macht sie ja so sympathisch: Genau wie Menschen sind sie keine Roboter. Eigner Björn trägt die Misere bisher äußerlich gelassen - wünschen wir ihm, dass er für seine Geduld reichlich belohnt wird.

Update nach einer Woche stationären Aufenthalts: Der Achtersteven ist tiefgründig morsch. Aber wird schon.
Update nach fünf Wochen: Jane schwimmt wieder. Erfolgreicher Probeschlag. Und Björn, nicht zu entmutigen, bricht auf.
Update am Ende der Rückkehr: Ein begeisterter Eigner hat die Route notgedrungen ein bisschen abgekürzt, hier und da Schwerpunkte gesetzt und dann einfach wieder Strecke gemacht - normale Spielfilmlänge statt Director's Cut. Aber die bisher längste Segelreise seines Lebens hat stattgefunden. Keine Schäden am Boot. Und allein schon ein ausgiebiger Aufenthalt auf Gotland rechtfertigt in meinen Augen den Aufwand. Den Rest muss Björn selbst erzählen.

Mai 2018
Knappe Kiste - Paulas erster Ausflug
Vor lauter Skippertrainings kamen Paula und ich bisher kaum aus der heimatlichen Box. Das werde ich nächstes Jahr anders regeln, so geht das einfach nicht. Immerhin fanden wir drei Tage Zeit für ein gemäßigtes Ærø rund: Hørup Hav, Birkholm, dann zurück. Der Wind reichte immer nur bis mittags, das schenkte mir aber zwei Stunden meditativen Segelns mit einem halben Knoten, bevor die Abendbrise uns nach Birkholm spülte. Nicht spektakulär, aber ein gelungener Auftakt. Die großen Highlights kommen ja auch erst.

Warum der Titel "Knappe Kiste" lautet



April 2018
Wenn das Boot fröhlich schwimmt, freut sich der Mensch

"Aber aber wo wo wo ist Oli? Und wo ist das Wasser?" Auf ihre selbstbewusste Schwester und Klassensprecherin musste Salty ein halbes Stündchen warten, bis auch sie aufgeladen, festgezurrt und abfahrbereit vor die Halle gestellt war. Bis es endlich wieder Hafenwasser zu sehen gab, verbrachten sie noch zwei Nächte hinter Gittern. Die restlichen Boote drehten und wendeten wir einen Sonntagvormittag lang mit Schwerlastrollen und Hubwagen (Dank an Stephan und Martin!!), bis alle so standen, dass man unter fahren und aufladen konnte - sozusagen plug and play.

Beim Frühjahrskranen war ich sonst immer ein bisschen nervös, und letztes Jahr hochgradig überrascht, dass wir alle fünf Boote am gleichen Tag schafften. Dieses Jahr hatte ich es so geplant, und es war auch gar keine Zeit für Emotionen: Um neun Uhr zuckelte Oliese rückwärts dem Trecker hinterher, zwischendurch war Spanngurte ab, Krangurte unter, Verholen und Lansdtrom Legen, dann wieder Transportgeschirr ran, Spanngurte fest, kurze Fahrt zum Hafen, Spanngurte ab, Krangurte ran.... um dreizehn Uhr tauchte als Letztes Marthas Ballast in langersehnte kühle Nass. Man darf sagen: Es lief ganz gut. Danach war Zeit für ein erstes Kaffeekränzchen in Paulas Cockpit, sowie für eine dringend benötigte Mittagsstunde nach der langen Schufterei der vergangenen drei Wochen, die diesen Erfolg möglich machte.

Als ich Frieda in ihrem ungeliebten Schwebezustand sogar noch fotografierte, fragte mich ein freundlicher Mit-Hafenbenutzer, ob er mir beim Verholen helfen solle - zu zweit sei es ja einfacher. Ich lehnte freundlich ab: Erstens hatte er zwar Recht, aber Frieda und ich waren ja bereits zwei. Zweitens hatte ich lange genug auf den Spaß verzichtet, um ihn mir nicht mit jemand Fremdem zu teilen. Und außerdem hatte ich vor einer Dreiviertelstunde schon Paula direkt aus den Gurten in die Box gefahren, und alles, was ich dazu brauchte, war ein kurzer Ruck an der Achterleine und rechtzeitiges An-Bord-Werfen der Vorleine. Mit Frieda lief es dann genauso - erst noch an der Kranplatte Festmachen ist etwas für Leute, die entweder schlecht vorbereitet sind oder nicht Boot fahren können! Oder für ungünstigeres Wetter, als wir es uns ausgesucht hatten: Sonnig, warm, trocken, einigermaßen windstill - was sollte uns aufhalten? Mit Martha schipperte ich gleich noch einmal rings um den Steg auf den künftigen Platz von Folkeboot Tzefix - in der Hoffnung, dass die möglichst spät anreist aus dem Schleswiger Winterschlaf.

Alle fünf - auch und vor allem die mit Reparaturen im Unterwasserbereich - waren so dicht, dass Normalbetrieb der eingebauten Lenzpumpen von Anfang an reichte. Marthas sprang während des ganzen, langen Verholens keinmal an, die mitgebrachten Tauchpumpen nahm ich gleich wieder von Bord. Nun müssen die Masten zum Hafen, ebenso die Außenborder und die Ausrüstung, und ein paar neue Töpfe und Pfannen von Ikea soll ich auch noch organisieren vor dem Saisonstart. Aber heute Abend darf ich kurz durchatmen und ein Gläschen Portwein auf die phantastischen Boote trinken.

Danach wollten aber Masten gestellt (tausend Dank an Anouk und Jens fürs Knöpfchendrücken!!), Segel angeschlagen, Staub weggespült und Ausrüstung gestaut werden. Darauf folgten die Probeschläge: Saltys Außenborder ging gleich in die Werkstatt, Paula stellte ihren gerne leihweise zur Verfügung. Friedas Traveller musste ich unterwegs neu einscheren. Ansonsten lief alles glatt.



Und inzwischen sind die ersten Charterer bei sommerlichem Aprilwetter fröhlich unterwegs, und ich vertreibe mir mit Skippertrainings die Zeit. Wir sind alle neidisch auf Frieda und Salty, die bereits nach Dänemark durften, und fühlen uns verwöhnt von wundervollen Menschen, die bei und mit uns segeln - so darf es gerne weitergehen.




Februar 2018
Wir halten zusammen. Immer.
Oliese braucht eine Reparatur an der Außenhaut. Sofort erklärt sich Frieda solidarisch, weil sie es nicht erträgt, dass ihre Schwester als Sorgenkind dasteht. Dann aber helfen alle fleißig mit: Beim Einsetzen von Brettlaschen haben beide etwas Geeignetes im Cockpit liegen - einen leeren Mischbecher, ein passendes Flurbrett, eine für einen anderen Zweck geliehene und tunlichst an Bord behaltene Teleskopstütze - und halten zuverlässig von innen gegen, während ich von außen bohre und schraube. Das spart mir die Hilfsperson. Und sorgt für extrem gute Laune. Wenn ich beim Lackieren die zwei Stellen an Friedas Heckspiegel vergesse, was ja leicht passiert, wenn ich mit Vorluk, Aufbau und Cockpitsüll fertig bin, von der Leiter steige und gedanklich schon bei der vor mir stehenden Martha angekommen bin - dann hält Frieda mir als Gedächtnisstütze ihre Achterstagtalje ins Gesicht. Die hängt schon seit Wochen herunter, ist mir aber nie im Weg, und renne auch nie dagegen. Außer gestern, als ich die Halle verlassen wollte und die zwei Stellen noch nicht bearbeitet hatte.  Martha wiederum, immer gut für zusätzliche Einträge in die To-do-Liste, hält sich bescheiden zurück, wo doch jetzt Frieda zusätzlichen Aufwand beantragen musste.

Ich weiß wirklich nicht, was andere Bootseigner immer zu meckern haben über die viele mühsame Arbeit - Boote sind wunderbar, und sie segeln, lackieren und reparieren sich mit ein wenig Unterstützung fast von selbst!

Wer mit diesen Zeilen nichts anfangen kann, hat unseren Winterarbeits-Blog nicht gelesen...

Oktober 2017
Winterlager

Alles unter Dach. Einschließlich der Patenkinder Jane, Pondus und Snugga. Ich bin erleichtert - es war ein Angang wie noch nie. An irgendetwas hakte es immer. Es ging aber auch immer schließlich weiter, und mit ein bisschen Galgenhumor gab es sogar etwas zu lachen. Nun heißt es: Boote auseinanderpuzzeln, alles heile und hübsch machen, wieder zusammensetzen. Fertig, der Frühling kann kommen. Wie es läuft, verrät der
Winterlager-Blog.

Oktober 2017
Absegeln. Aber richtig.

Absegeln - das geht so: Man segelt aus dem Hafen, und wenn man zurückkommt, ist alles bereit zum Mastlegen. Wäre der Mastenkran nicht belegt gewesen, hätten wir gleich dort angelegt - sogar der Heißstropp war schon bereit.
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September 2017
Geburtstag und Jubiläum

Ich hatte unterwegs Geburtstag. Verbrachte ihn auf die bestmögliche Weise: Mit Paula. Sie schenkte mir das langersehnte Ankern im Lindelse Noor. Sie musste sich erhebliche Mühe geben, das zu bewerkstelligen. Ihr größtes Hindernis war meine Engstirnigkeit!
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September 2017
Silverrudder? Ohne uns!

Einhandsegeln? Immer! Aber non-stop rund Fyn? Im Regattamodus? Ohne Wind? In Svendborg vor der Brücke Ankern, um nicht in der Strömung zurückzutreiben? In Middelfart vom Neerstrom mit dem Heck voraus durch die Brücke gespült werden? Fünfzig Stunden ohne Schlaf oder Pause? Das kann Mike auch nächstes Mal ohne mich machen. Aber wir nutzten den schönen Wind, ihn bei der Anreise ein Stück zu begleiten.
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September 2017
Die kurze Anna

Mal ein Urlaub, keine Dienstreise: Paula und ich mussten unbedingt nochmal nach Musholm - und entdeckten erstaunliche Dinge.
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August 2017
Der magische Grill

Unsere Augustreise war wie ein rundum gelungenes Grillfest: Es gab reichlich von Allem - Salziges, süße, warme Köstlichkeiten wie aus Blätterteig, saftig-feuchte Steaks, mitunter auch feurig-scharfe Kostproben. Es war eine ausgewogene Mischung aus Fleisch und Gemüse, vitaminreich und mit der richtigen Dosis Ballaststoffe und ungesättigte Fettsäuren - gesund, erfrischend und perfekt abgestimmt.

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August 2017
Paula segelt Regatta

Die erste Kreuz lief gut. Bewusst zurückhaltend gestartet, lagen wir an der Wendetonne zurück, aber in Reichweite. Raumschots kam Paula auf einmal mächtig auf. „Wie machst du das?“ fragte Eric rüber, als wir Pommery ein bisschen den Wind klauten und plötzlich neben ihr auftauchten. Gemeinsam saßen wir Lovis im Nacken. Hinter uns war Jane, bereits dicht gefolgt von den fünf Minuten nach uns gestarteten Knarrs. „Was machst du denn?“ fragte ich Paula, die uns an der zweiten Wendetonne mitten ins Gewühl gesegelt hatte, das wir doch eigentlich vermeiden wollten. Endlich verstand ich, was sie mir die ganze Zeit hatte mitteilen wollen.
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Juli 2017

"Fahrt da bloß nicht hin! Es ist ganz schrecklich da!" Sommerreise für acht Erwachsene und fünf Folkeboote

Wieder einmal jede Menge Dinge zum ersten Mal ausprobiert: Ein Zweiwochen-Flottillentörn Mitte Juli, in der Zeit der vollen Häfen. Locker-entspannt rund Fyn mit kleinen Abstechern und ohne übertrieben lange Schläge. Neue Häfen und Naturhafen-Hopping. Ankern zu fünft im Päckchen. Bustour auf Ærø und Fährüberfahrt nach Svendborg, ganz neue Sichtweisen also - zehn Jahre lang habe ich landseitig nur die Hafenstädtchen gesehen, die Inseln nur aus dem Cockpit, auch die Bugwelle der Fähre kannte ich nur in der Form, von ihr durchgeschüttelt zu werden. Als kulturellen Höhepunkt gab es in Svendborg diese Fotoausstellung über Folkeboote zu bewundern, in der auch meine Boote eine Rolle spielten. Lassen wir sie zu Wort kommen und erzählen, wie sie die Reise erlebt haben.

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Juni 2017

Sieben! Einmal sogar acht...

Anfang Juni war es wieder einmal so weit: Mit mehreren Booten brachen wir gemeinsam nach Dänemark auf. Diesmal waren es nicht weniger als 7 Folkes, die in den Häfen für Begeisterung sorgten. Viel Wind, nicht immer Traumwetter - doch es gelang ein ereignisreicher, begeisternder Törn. Zwei Wochen später war die Arithmetik ganz ähnlich - und doch anders: Diesmal waren wir mit fün. Dafür aber mit sieben Personen.

Nachberichte

Mai 2017

Folkeboot-Treffen und Sperrgebiet Rund

Skippertrainings, Bootsübergaben, Termine im schwülheißen Binnenland - der Mai lieferte keinen Stoff für umfangreiche Törnberichte. Es reichte immerhin für eine schöne Runde ums Sperrgebiet Schönhagen und anschließendes Ankern im Wormshöfter Noor. Und dann war da ja auch noch das 3. Folkeboot-Treffen - nicht nur den Veranstaltern hat es diesmal besonders gut gefallen. 

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April 2017
Ansegeln

Als wir in Rabelsund die Segeln bargen, fragte ich Paula, ob wir je schonmal am 9. April auf der Ostsee waren. Ich habe noch nicht die alten Logbücher studiert, aber ich erinnere mich eher an Segelanschlagen im Juni oder Frühjahrstörns im Mai ohne vorausgehenden Probeschlag. Dieses Jahr hat Manches unvergleichlich gut geklappt, so dass wir bei frühsommerlicher Wärme und idealem Wind - SW 3-4 - so früh segeln gehen konnten wie nie. Ein Tag Gedümpel auf der Schlei bis 100m vorm Leuchtturm mag nicht besonders spektakulär erscheinen, aber nach fünf Monaten Entzug hat er zweifellos seine eigene Magie.
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Februar 2017

Happy New Year, und: Gut Lack!


Das Schleifen und Abkleben vor dem Endlack will gründlich und gewissenhaft erledigt werden. Der Zeitplan von einem Tag pro Boot ist ambitioniert, doch er passt - vorausgesetzt, ich verzichte auf die Mittagspause und nehme mir für den Abend nichts vor. Die Untergrundvorbereitung ist das A&O, und sie fällt gerade in den Übergang vom Dauerfrost zu günstigen Lackiertemperaturen.

Beim Eintreffen der Warmfront passiert das Übliche, wenn relativ feuchte und warme Luft auf noch kalte Boote trifft: Sie beschlagen. Lackieren geht dann erst nach zwei, drei Tagen, wenn sich die Temperatur angegelichen hat. Schleifen hat aber auch seine Tücken: Wenn man die triefende Außenhaut nicht vorher trockenwischt, reicht ein Bogen Schleifpapier nicht mal für einen halben Meter.

Als wir uns damit abmühen, kommt ein anderer Bootseigner in die Halle, um mal wieder einen Blick auf sein Schätzchen zu werfen. "Moin", sagt er, "oha - ein einsamer Bastler."
"Nee, nee", antworte ich, "wir sind ja zu viert."
Er: "Ach so, vier Leute - na das schafft ja ordentlich was!"
Ich: "Naja, geht so - die anderen drei sind Boote."

Einsam habe ich mich jedenfalls im Winterlager noch nie gefühlt...

Dezember 2016

Winterarbeit


Folkeboot Lene hatte sich den Wellness-Aufenthalt in der Bootswerft Grödersby anders vorgestellt. Sie dachte an behutsame Lackpflege, hübsch aufpoliertes Holz und vielleicht ein bisschen Massage und andere Streicheleinheiten - doch zuerst verordnete man ihr eine radikale Diät, die sie in zwei Tagen der Hälfte ihres Gewichtes beraubte, und anschließend kam der Zahnarzt an Bord!

Oder jedenfalls der Bootsbauer in Begleitung des Bohrers. Genauer gesagt: eines ziemlich langen Kernbohrers. Der Ballast war schon zum Sandstrahlen abtransportiert, die Kielbolzen entfernt, die maroden Bodenwrangen abgenommen, die neuen Spanten laminiert.Nun wurden auch noch die Stevenbolzen ausgebohrt, und sie widersetzten sich mit konstruktiver Hartnäckigkeit, hatte man sie doch schräg eingesetzt, dann die Wrange darübergestülpt und das Ganze gerade gebogen. Lene ertrug die Operation schweigend und seufzend, aber Entspannung war es nicht. Zu guter Letzt wurde auch noch eine gerissene Planke im Bugbereich erneuert - in diesem Zusammenhang kam zumindest endlich die ersehnte Wärmelampe zum Einsatz.

Das Loch in der Außenhaut bot freien Durchblick vom Vorsteven bis unters Achterdeck - aus dieser Perspektive wirkte das Folkeboot unglaublich groß und geräumig. Der Eindruck relativierte sich freilich, wenn man dem Bootsbauer zusah, der von innen die Nieten austrieb: Sein Körper füllte den Arbeitsplatz vollständig aus. Rechtzeitig vor Weihnachten war Lene wieder glüklich: Ihr geliebter Ballast wurde angeschraubt. Selig und in voller Tonnage setzte sie sich zurück auf ihren Trailer.

Unterdessen störte sich Jane nicht im Geringsten am Umzug in Halle zwei, wo sie dem größten Trubel entging und sich in Sichtweite von Frieda und Martha in bester Gesellschaft wähnte. Die beiden dienten hier und da auch als Anschauungsobjekt für die Bootsbauer. Jane nahm auch keinen Anstoß an der Tatsache, dass diesen Winter Lene die höchste Rechnung aller in der Werft befindlichen Folkeboote ausgestellt bekommen würde - sie sah sich in dieser Hinsicht in keinem Wettbewerb. Oder vielleicht doch: Als Eigner Björn ein rares Wochenende in der Werft verbrachte, an sich in der Absicht, dem Werftpersonal Platz für die geplanten Arbeiten zu schaffen, sah sie sich dennoch berufen, auf die Prioritätenliste Einfluss zu nehmen.

Björn und Jane sind ein lustiges Gespann. Jahr für Jahr schreibt zuerst er seine Wunschliste von Dingen, die er geändert oder repariert haben möchte, und wenn Jane endlich zu Wort kommt, geht es los mit "...und hier tut das auch weh!" Sie sagte: "Ist ja schön, dass wir die neuen Schwalbennester haben - aber guck mal der Spant hier." Wie sie schon einmal begonnen hatte, darauf hinzuweisen, wo es sie zwickte und zwackte, fielen ihr noch einige weitere Problemstellen ein. Neues Schiebeluk? Niedergangstür? Ja, aber die maroden Brettlaschen, und dann vor allem die gebrochenen Decksbalken - "sieh mal schön zu, dass das mal zuerst gemacht wird, ja?" Als Björn an diesem Tag zum ersten Mal "ach du scheiße" sagte, kündigte er selbst gleich an, dass er es noch öfter tun würde, ahnte gleichwohl selbst kaum, wie Recht er behalten sollte, doch schließlich überwog dann die Einsicht: "Wat mutt, dat mutt." Zu einem der von Jane gestellten Aufgaben sagte ich mitfühlend: "Ziemlicher Aufwand."

Björn fand es nicht so schlimm, schließlich sei das ganze Leben mit Aufwand verbunden, "mal mehr, mal weniger." - "Genau", stimmte ich zu, "weniger oder mehr ist ganz egal. Hauptsache Aufwand!" Christopher und ich erkannten später mit Augenmaß, Zollstock und kritischem Blick eine bemerkenswerte Besonderheit Janes: Ihr Niedergang ist um eineinviertel Zentimeter außermittig. Für ein neues Schiebeluk und eine Niedergangstür hat das erhebliche Konsequenzen, die Wahl zwischen Pest und Cholera bezieht sich hier nämlich darauf, ob man Lukendeckel oder Tür schräg baut.

Am nächsten Tag gelang Frieda und mir die Lösung eines der letzten Rätsel der christlichen Seefahrt: Wir fanden die Ursache ihrer erheblichen Kompassablenkung. Es waren nicht, wie ursprünglich vermutet, die Schrauben der Curryklemmen, die dicht am Kompass im Decksbalken steckten, aber ansonsten lag ich mit diesem Decksbalken schon ganz richtig: Die Leisten des Kajütdachs waren mit Eisennägel vernagelt. Es folgte auch hier ein gewisser Aufwand, aber der Zeitpunkt, einen neuen Decksbalken zu bauen, war ideal: Ich sägte ihn aus einem Reststück vom Bau von Lenes Bodenwrangen.

Winterarbeit-Blog

Oktober 2016
Internationales Flair: FKY - RNCYC Teamracing

Internationales Flair bei den "Wildgänsen": Der "Freundeskreis Klassische Yachten" und der "Royal Northern & Clyde Yachtclub" aus Schottland trafen sich am ersten Oktoberwochenende zu ihrem traditionellen Team Racing. Erstmals charterten sie dafür sechs Folkeboote der "Wildgänse" und von "Klassisch am Wind". Paula, Kollege Mike und ich waren eigentlich nur ausgelaufen, um die seltene Gelegenheit zu spektakulären Fotos zu nutzen. Wahrhaft spektakulär waren dann vor allem die engen Manöver, begleitet von lautstarken Auseinandersetzungen über die Ausweichregeln.

Den Hinweis, es am zweiten Tag ein wenig ruhiger angehen zu lassen, konnten wir uns nicht verkneifen. Zu Kollissionen kam es letztlich aber nicht, dafür gab es jede Menge Spaß und reichlich Lob für die "lovely boats". Der Wettkampf endete unentschieden - dafür sorgte schon der Gerechtigkeitssinn der sechs segelnden Schwestern, die nur Gewinner und keine Verlierer zuließen. Die Veranstaltung war allemal ein würdiger Abschluss für eine tolle Saison!

September 2016
Flottillentörn mit Schönwettersegeln
 
Der Septembertörn war vielleicht nicht so spektakulär wie andere Veranstaltungen diesen Jahres - gigantische Wellen und Gischtfontänen blieben aus. Doch entspanntes Schönwettersegeln mit vielen landschaftlichen und seglerischen Höhepunkten ist, wenn man ehrlich ist, wenig einzuwenden. Und diesmal passte es besonders gut zu den Bedürfnissen der teilnehmenden Crews.
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August 2016
Hin und Her in der Dänischen Südsee

Ein fünftägiger Kurztörn in die südfynsche Inselwelt - schön, aber unspektakulär. Und trotzdem bemerkenswert, gab es doch eine Menge Besonderheiten: Zum Beispiel war es der erste Törn der Saison, der keine Dienstreise war. In einem kühlen, feuchten, pustigen, insgesamt durchwachsenen Sommer hatten wir uns eine Woche mit besten Segelbedingungen ausgesucht. Statt einer Törnplanung zu folgen, fuhren wir einfach erstmal los - und natürlich gab es dann die eine oder andere Überraschung, und es wurden uns unerwartete Aufgaben gestellt.

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Juli 2016
Schwedenreise

Es war als besondere Reise angekündigt, als unvergessliches Abenteuer, das „der Urlaub Eures Lebens“ sein könne. Hatte ich zu viel versprochen? Rückblickend war wohl eher das Gegenteil der Fall!

Schwedenreise 2.-29. Juli



Juni 2016

Schöner kann Segeln nicht sein


Wie lässt sich eine Reise zusammenfassen, bei der so gut wie alles perfekt läuft? Vielleicht am besten so: Wir segeln nach Haderslev. Es ist eine besondere Gelegenheit - die Stadt liegt abseits der üblichen Segelrouten, tief im Landesinneren am Ende eines schmalen, flussähnlichen Fjordes. In der Regel muss zumindest eine Strecke motort werden. Die Meisten fahren also vorbei und bleiben im Kleinen Belt. Wir hingegen können mit Ostwind hinein- und am nächsten Tag bei Westwind wieder hinaussegeln. Das Timing ist beinahe unglaublich: Kaum ist das letzte Boot angebunden, dreht der Wind binnen zwei Minuten auf West!
Flottillentörn 4.-10. Juni
Flottillentörn 18.-24. Juni

Mai 2016

Folkeboot-Treffen 2016
28 Folkeboote am 28. Mai, glückliche Gesichter bei Crews und Veranstaltern: Das Folkeboottreffen hat sich im zweiten Jahr bereits als feste Institution etabliert. Damit bestätigt sich die Vermutung, dass nach einem offenen Rahmen in lockerer, ungezwungener Atmosphäre gerade bei Fahrtenseglern ein großes Bedürfnis besteht.
Nachbericht